Content in sozialen Netzwerken: US-Nutzer produzieren und Deutsche konsumieren - Futurebiz.de

Content in sozialen Netzwerken: US-Nutzer produzieren und Deutsche konsumieren

Es ist kein großes Geheimnis  das US-Unternehmen, gegenüber Unternehmen aus Deutschland und Europa, sich einen Vorsprung in Sachen Social Media Verständnis und Umsetzung verschafft haben.

Die großen sozialen Netzwerke kommen nun mal aus den USA und sind dort einfach schon länger am Markt etabliert und ziehen somit auch schon über einen größeren Zeitraum die Aufmerksamkeit der Unternehmen auf sich. Das hat zur Folge das US-Unternehmen über mehr Erfahrung verfügen und eher dazu geneigt sind interne Prozesse anzupassen und auf eine soziale und digitale Unternehmensführung auszurichten.

Und wie sieht es bei den Nutzern aus? Haben US-Nutzer auch einen Vorsprung gegenüber uns? In gewisser Weise ja, aber es nicht nur ein Vorsprung, sondern eher ein anderer Bezug zu sozialen Netzwerken und ein anderer Umgang mit der eigenen Persönlichkeit im Netz.
Schaut man sich auf Twitter, Google+ und Facebook mal ein wenig um, fallen relativ schnell ein paar eindeutige Unterschiede in der Nutzung auf. US-Nutzer sind eher dazu geneigt eigene Inhalte zu veröffentlichen, als es in Europa der Fall ist. Private Fotos, Meinungen, aber auch einfach Inhalte aus dem Netz werden viel selbstverständlicher geteilt. Netzwerke werden miteinander verbunden, verschiedene Aktionen werden automatisch auf Facebook und Twitter veröffentlicht und der Social und Interest Graph wird in einer anderen Qualität auf- und ausgebaut.

Das heißt nicht, dass beispielsweise deutsche Nutzer weniger aktiv sind, die Art und Weise unterscheidet sich aber. Wir sind Meister darin Inhalte zu konsumieren. Das gilt für private Status Updates und Tweets und für Inhalte von Unternehmen. Geht es aber darum Content zu erstellen bzw. zu teilen, sind deutsche Nutzer kritischer und überlegen zwei mal, ob sie ihre Freunde wirklich mit dieser Meldung „belästigen“ sollen. Natürlich gibt es auch viele Nutzer, die sozusagen wie ein US-Nutzer agieren, das Verhältnis ist aber geringer. Oft gibt es hierzu Aussagen wie: „Wir machen einfach nicht alles mit, was uns die USA vorleben“. Doch wie lange wird diese Aussage noch Bestand haben, oder wann gelingt es Facebook und anderen Netzwerken und Tools uns umzuerziehen?

Sei es Facebook, diverse mobile Apps und Tools an die wir heute noch nicht denken, es wird immer mehr in die Richtung gehen Inhalte automatisch zu teilen und personalisierte Informationen automatisch zu erhalten. Beide Nutzereigenschaften werden also kombiniert.

Die Unterschiede in der Nutzung sind aber nicht nur durch einen Vorsprung bei der Verwendung entstanden, sondern auch die grundsätzlich Einstellungen zu den Themen Privatsphäre und Personalisierung des Webs. Deutsche Nutzer stehen diesen Themen wesentlich kritischer gegenüber. Teilweise berechtigt, aber häufig auch in einer überzogenen und nicht mehr zeitgemäßen Form. Das wird dazu führen, dass viele neue Technologien und Tools es in den USA leichter haben Fuß zu fassen und eine Nutzerbasis aufbauen zu können. Tools wie Placeme zeigen in welche Richtung es gehen wird. Placeme trackt mittels GPS den Aufenthaltsort seiner Nutzer und gibt zusätzlich an wie lange man sich an einem bestimmten Ort aufgehalten hat. Und das alles automatisch. Placeme ist noch weit davon entfernt eine breite Nutzermasse zu erreichen. In den USA wird das aber wesentlich wahrscheinlicher eintreten, als in Deutschland. Eine gewisse Parallele kann auch bei Foursquare und Tumblr beobachtet werden.

Beide sind in den USA erfolgreich, haben es in Deutschland aber wesentlich schwerer. Es gibt nicht nur Unterschiede beim Umgang mit Content, sondern auch bei der Adaption und Nutzung verschiedener Netzwerke. In den USA ist die Bereitschaft größer verschiedene Netzwerke gleichzeitig zu verwenden. In Deutschland ist meist nach Facebook Schluss und nur eine relativ kleine Nutzergruppe verwendet Facebook, Twitter und Google+. Vielleicht hat man sich in den ganzen Netzwerken registriert, die Aktivität wird aber meist auf ein einzelnes Netzwerk beschränkt. Hier wieder die Brücke zur Content-Erstellung. Je mehr Netzwerke man verwendet, um so mehr Inhalte werden auch geteilt.

Müssen wir das? Nein, müssen wir nicht, aber es wird für uns immer selbstverständlicher werden und durch die wachsende Mobilität wird sich dieser Zustand konsequent verstärken. Wir sagen wo wir sind, was wir machen, was wir über Themen denken und was und gefällt bzw. interessiert. Diese Entwicklung wird losgelöst von Facebook stattfinden, aber auf vielen Prinzipien des Netzwerkes basieren.

Wie sieht es bei euch aus? Konsumiert ihr verstärkt Content, oder produziert ihr auch eigene Inhalte?

Bildquelle Flickr: Fotograf Niklas Wikström

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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