Early Adopter oder Defensivspieler? Wann Unternehmen in sozialen Netzwerken aktiv werden sollten. - Futurebiz.de

Early Adopter oder Defensivspieler? Wann Unternehmen in sozialen Netzwerken aktiv werden sollten.

6781949207_35e58d8f21_o

Wann ist der richtige Zeitpunkt sich für ein neues soziales Netzwerk zu entscheiden? Zu dieser Frage erhält man in den meisten Fällen zwei Antworten. Es gibt Unternehmen die schnell reagieren und sich früh ein eigenes Social Media Profil erstellen. Das ist aber eher die Ausnahme. Die meisten Unternehmen warten erst einmal ab.

Alles auf Angriff?

Während Unternehmen warten, entstehen viele weitere Fragen. Lohnt sich ein weiteres soziales Netzwerk überhaupt? Wie sieht die potenzielle Entwicklung aus? Erreiche ich meine Zielgruppe? Kann ich den zusätzlichen Aufwand für neue Social Media Aktivitäten leisten?

Alles wichtige und richtige Fragen, die aber auch zu einem Problem werden können. Unternehmen verlieren Zeit. Zeit gegenüber den Wettbewerbern die schnell reagieren und früh eine weitere Präsenz etablieren. Beide Ansätze haben ihre Vor- und Nachteile. Die „Early Adopter“ vom Hype um ein neues Netzwerk und die hohe Aktivität der Nutzer. Diese Unternehmen sind Vorreiter. Sie wagen mehr und zögern nicht, ein weiteres Social Media Profil zu erstellen. Sie sammeln viele Erfahrungen und profitieren von einer höheren Sichtbarkeit – die Wettbewerber sind ja noch nicht da. Natürlich besteht auch die Gefahr, dass man zu voreilig ist. Es werden Ressourcen und Budget in zusätzliche soziale Netzwerke investiert, ohne dabei zu wissen, wie die Zukunft des Netzwerkes aussehen wird.

Unternehmen die erst einmal abwarten, profitieren von den Erfahrungen der anderen Unternehmen. Sie sammeln Informationen über die Nutzung und können sich so besser auf einen Start vorbereiten. Es gibt viele Beispiele bei denen sich das „Warten“ ausgezahlt hat. Neu soziale Netzwerke und mobile Apps kommen und verschwinden auch genauso schnell wieder. Wir müssen immer abwägen was uns eine frühe Aktivität bringt. Nicht nur gemessen an der Reichweite und den Nutzerzahlen (die immer niedriger als die von Facebook sein werden), sondern auch anhand der Erfahrungen die wie sammeln.

Der Zeitpunkt ist entscheidend

Es geht nicht um Early Adopter oder nicht, es geht darum den richtigen Zeitpunkt zu treffen. Auch wenn man es fast nicht glauben mag, es gibt immer noch viele Unternehmen die über den Sinn von Facebook diskutieren? In 2015 ist es wesentlich schwieriger eine Facebook Seite zu etablieren als noch vor vier Jahren. Natürlich stehen heutzutage wesentlich bessere Marketingmöglichkeiten zur Verfügung, Nutzer haben ihr Verhalten und ihre Meinung zu Unternehmen über die Jahre geändert und ebenfalls viele Erfahrungen gesammelt. Das heißt nicht, dass man nicht auch in 2016 erfolgreich auf Facebook und Co. starten kann. Der Vorsprung der Wettbewerber ist aber enorm. Vor allem der Erfahrungsvorsprung.

Hinzu kommt die Sichtbarkeit von Unternehmen in sozialen Netzwerken, die sich früh für einen Auftritt entschieden haben. Die enormen Interaktionen die Unternehmen teilweise heute auf Instagram erzielen, wird es nicht mehr so einfach in zwei Jahren geben. Klar, dann gibt es voraussichtlich vielfältige Anzeigenformate, aber der Kampf um die Aufmerksamkeit wird auch um einiges höher sein. Unternehmen sehen sich einen immer stärkerem Wettbewerb in sozialen Netzwerken ausgesetzt. Mit steigenden Nutzerzahlen und höheren Mediabudgets intensiviert sich dieser Wettbewerb.

Nicht nur Anzeigen machen soziale Netzwerke interessant, sondern auch die Möglichkeit von Beginn (oder einem frühen Zeitpunkt an) die Möglichkeiten von etwas „Neuem“ zu testen und auszuschöpfen.

Wie denken sozialen Netzwerke über Unternehmen als „Early Adopter“?

Zum Start stehen natürlich immer die Nutzer im Vordergrund. Hier muss die Aktivität entstehen. Würde zum Start, oder in der Hype-Phase, gleich eine hohe Anzahl von Unternehmen in neuen sozialen Netzwerken vertreten sein, wäre dies in vielen Fällen sicher nicht förderlich für den Wachstum. Features werden immer zuerst für Menschen entwickelt und nicht für Unternehmen. Die Usability und die Inhalte sind Treiber für den Wachstum, genauso wie der Dialog mit anderen Nutzern und der reine Konsum von User Generated Content. Um Reichweite für soziale Netzwerke aufzubauen, werden Nutzer benötigt und keine Unternehmen. Hinzu kommt, dass es in den meisten bekannten sozialen Netzwerken noch keine Anzeigenprodukte zum Start gibt. Einerseits weil die Reichweite noch nicht groß genug ist, aber auch weil Nutzer nicht gleich von Beginn an mit Anzeigen konfrontiert werden sollen. Stellt euch vor ihr probiert eine neue mobile App aus und das erste was ihr seht, sind Anzeigen…

Verpasst man etwas, wenn man zu früh aktiv wird? Nein. Verpasst man etwas, wenn man zu spät aktiv wird? Vielleicht.

Was ihr auf jeden Fall immer machen solltet, ist euch ein privates Profil anzulegen. So könnt ihr „aufstrebende“ Netzwerke und Apps selbst testen und die Dynamik die sie entwickeln verfolgen. Des Weiteren könnt ihr euch einen Überblick darüber verschaffen welche Nutzertypen aktiv sind, welche Inhalte geteilt werden und welche Features euch zur Verfügung stehen. Social Media ist schnell. Für manche zu schnell.

Ich spreche jetzt nicht von Periscope und Co., sondern von etablierten Social Media Kanälen wie Instagram und Pinterest. Beide Netzwerke gibt es schon seit Jahren und legten eine rasante Entwicklung hin. Beschäftigen muss man sich mit beiden Netzwerken schon lange. Privat und aus Unternehmenssicht.

Gary Vaynerchuck hat zu dem Thema ein für ihn typisches und sehenswertes Video veröffentlicht. Ganz so extrem müsst ihr nicht vorgehen, aber die Grundaussage ist vollkommen richtig. Um es mit Facebook zu halten: Move Fast and Break Things! Be Afraid!

The Importance of Being First! #Video thoughts?

Posted by Gary Vaynerchuk on Saturday, April 11, 2015

Bildquelle Flickr: Fotograf – DancingOnThePedals.net

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

Kommentare

Kommentare

Deine Meinung?