Nicht alle Facebook Applikationen benötigen eine Klarnamenpflicht

Mark Zuckerberg: Nicht alle Facebook Applikationen benötigen eine Klarnamenpflicht

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Schlägt Facebook einen radikalen Richtungswechsel ein und erlaubt die Verwendung von Pseudonymen? Nicht so schnell! Ein Artikel über Mark Zuckerberg in der Business Week hat für einiges Aufsehen gesorgt (eigentlich immer wenn Zuck ein Interview gibt).

Zuckerberg hatte folgendes Statement geäußert:

I don’t know if the balance has swung too far, but I definitely think we’re at the point where we don’t need to keep on ONLY doing real identity things. If you’re ALWAYS under the pressure of real identity, I think that is somewhat of a burden. It’s definitely, I think, a little bit more balanced now 10 years later. I think that’s good.

Kurze Zeit davor hat Zuckerberg Snapchat gelobt und von einer Revolution der Privatsphäre gesprochen. Schlägt Facebook jetzt den gleichen Weg ein? Nein. Die Eingeständnisse, wenn man sie überhaupt so bezeichnen kann, waren allgemeiner Natur. Facebook wird aber offiziell keine Pseudonyme erlauben und weiter an der „einen Identität im Netz“ festhalten. Dieses Prinzip trägt Facebook, muss aber nicht zwingend für zukünftige Apps, wie beispielsweise Paper, gelten.

Auf Instagram gibt es auch keine Klarnamenpflicht. Es gibt eine sehr enge Verbindung zu Facebook, aber Instagram ist ein eigenständiges Produkt und viele Nutzer verwenden Instagram nicht mit ihren echten Namen. Angenommen Facebook veröffentlicht weitere eigenständige mobile Apps, dann wird für die Nutzung keine Klarnamenpflicht vorherrschen. Die mobilen Facebook Apps und die stationäre Version werden diesen Weg aber weiterhin verfolgen.

Ich verstehe beide Seiten und beide Ansätze haben Vor- und Nachteile. Pseudonyme sind auch Identitäten im Netz und haben für viele Personen einen hohen Stellenwert. Die Klarnamenpflicht erleichtert die Vernetzung der Nutzer, führt aber dazu, dass sich Nutzer eine Fassade aufbauen, die ihre wahre Persönlichkeit nicht widerspiegelt. Persönlich finde ich die Klarnamenpflicht auf Facebook richtig. Jeder Community Manager wird aber wissen das sich viele Nutzer nicht daran halten und mit Pseudonymen unterwegs sind. Facebook kann das auch nicht, oder nur sehr schwer, verhindern. Ohne die Hilfe von anderen Nutzern ist das nicht möglich. Die Facebook Nutzungsbedingungen hierzu lauten wie folgt:

– Facebook-Nutzer geben ihre wahren Namen und Daten an und wir benötigen deine Hilfe, damit dies so bleibt.

– Deine Kontaktinformationen sind korrekt und du wirst sie auf dem neuesten Stand halten.

– Wenn du einen Nutzernamen bzw. eine ähnliche Bezeichnung für dein Konto oder deine Seite auswählst, behalten wir uns das Recht vor, diese/n zu entfernen oder zurückzufordern, sollten wir dies als notwendig erachten.

Facebook ein System aus verschiedenen Apps

Der Messenger und Paper sind nur der Anfang. Facebook wird weitere Standalone-Apps entwickeln und so verschiedene Bedürfnisse von unterschiedlichen Nutzergruppen abdecken. Für solche Apps ist die wahre Identität von Nutzern nicht zwingend notwendig und somit ist die Aussage von Zuckerberg vollkommen richtig. Die Klarnamenpflicht ist nicht immer nötig. Viele Apps funktionieren auch hervorragend mit Pseudonymen, oder ohne Nutzerprofile an sich. Diesen Weg wird Facebook gehen und die Auswirkungen auf Themen wie CRM und Business Netzwerk sind minimal bis nicht existent. Wenn eine Applikationen von echten Namen profitiert, dann sollte dieser Weg auch verfolgt werden. Nutzer bei jeder App hierzu zu zwingen ist und war nie zeitgemäß. Und genau das hat Mark Zuckerberg gesagt.

Facebook teilt sich auf. Facebook.com und die mobile Apps bilden Kern und dieser Kern setzt auf wahre Identitäten.

Bildquelle Flickr: Fotograf  –  zigazou76

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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