Micro-Influencer sind Fluch und Segen zugleich. - Futurebiz.de

Micro-Influencer sind Fluch und Segen zugleich.

Große YouTuber und andere Social Media Stars sind sehr gefragt. Diese Nachfrage hat unweigerlich zu steigenden Kosten geführt. Influencer Marketing? Funktioniert das überhaupt? Können wir erstmal mit einem kleinen Budget testen? Fragen die von Unternehmen oft gestellt werden. Mit etablierten YouTubern ist ein Test natürlich nicht möglich. Also muss eine alternative Lösung her und die Antwort gibt es auch schon: Micro Influencer.

Bildquelle Flickr: Steve Snodgrass „MICRO“ (CC By 2.0)

Micro-Influencer sind mehr als eine billige Alternative

Micro Influencer verfügen über eine treue Followerschaft, veröffentlichen regelmäßig Inhalte, sind aber bezogen auf die Reichweite nicht mit den Social Media Stars vergleichbar. Weniger Reichweite? Dann muss ich als Unternehmen ja auch weniger (oder nichts) bezahlen…

Das Interesse an Micro Influencern und das Aufkommen von diversen Influencer Marketing Plattformen hat in den vergangenen Monaten richtig an Fahrt aufgenommen und Micro Influencer kommen mehr und mehr ins Gespräch. Die Zusammenarbeit mit Micro Influencern kann aus Unternehmenssicht sehr effektiv sein. Nicht nur bezogen auf die Kosten. Vor allem bezogen auf die produzierten Inhalte. Der Content, die Expertise in einem bestimmten Thema und Aktivität der Follower sind bei der Auswahl von Micro Influencern ebenfalls entscheidend. Es geht nicht darum, möglichst viele Personen für ein möglichst niedriges Budget für sich zu gewinnen.

Genau das ist mein Problem mit Micro Influencern. Oder besser das Problem, mit der Herangehensweise für Kooperationen mit Micro Influencern. Influencer sind keine Banner, aber oftmals werden Micro Influencer genau so betrachtet. Wenig Reichweite bedeutet für viele Unternehmen und Agenturen automatisch niedrige Kosten. Ein Trugschluss. Auch bei kleineren Influencern entstehen Aufwände für die Produktion der Inhalte.

Bei Micro-Influencern wird besonders viel getrickst

Micro Influencer werden gelobt und als einer der Treiber von Influencer Marketing bezeichnet. In der Realität sieht es aber anders aus und das führt zu weiteren Problemen. Unternehmen und Agenturen wollen viele Influencer, die viele Inhalte verbreiten und das im Idealfall für einen kleinen Obolus. So entstehen auch Micro Influencer, welche mit dem Begriff Influencer nichts gemein haben. Früher wollten sie Superstar werden und heute kann man als Influencer etwas dazu verdienen und/oder ein paar Produkte abgreifen.

Influencer Marketing Plattformen sind voll von solchen Profilen. Der Einsatz von Bots ist hier nicht die Ausnahme, sondern schon eher die Regel. Deswegen ist es auch nicht förderlich sich von den doch so hohen Interaktionsraten der Micro Influencer blenden zu lassen. Ersten ist es logisch, dass Profile mit weniger Followern höhere Interaktionsraten haben und zweitens sind die Interaktionen künstlich erzeugt worden. Die Qualität der Inhalte ist auch entsprechend. Aber was will man als Unternehmen erwarten, wenn man für € 200 zehn Influencer beauftragt?

Wer billig kauft, kauft doppelt

Ein Influencer Marketing Tool Anbieter meinte einmal: „Wir schauen schon nach Fake Likes und Followern und schmeißen die Leute aus unserer Datenbank. Aber nicht alle. Sonst wären ja fast keine mehr da.“

Influencer Marketing hat nicht primär Reichweite als Ziel und Micro Influencer sollten erst recht nicht als günstige Reichweite und Werbefläche betrachtet werden. So lange Influencer nach diesem Prinzip ausgewählt und dann auch noch beauftragt werden, ist Micro nicht die Lösung, sondern wird zu einem immer größeren Problem. Influencer werden verscherbelt und es gibt doch tatsächlich noch Unternehmen, die dann von den Ergebnissen enttäuscht sind. Oder sie sind es nicht, da die sogenannten Micro Influencer ja nicht doof sind und brav Likes für den #Sponsored Post einkaufen.

Natürlich gibt es auch viele Micro Influencer die ihre Accounts organisch aufgebaut haben. Genau das sind auch die Personen, mit denen sich eine Zusammenarbeit auszahlt. Ob die Accounts dann 1.000 oder 20.000 Follower haben sollte nicht als Auswahlkriterium dienen.

Identifiziert Influencer anhand eurer Ziele und nicht nach Micro oder Macro. Lasst euch nicht von Followerzahlen blenden. Schenk zahlen einfach nicht so viel Beachtung. Zumindest allen Zahlen, die nicht unmittelbar mit euren Zielen in Verbindung stehen. Gleiches gilt aber auch für die Berichterstattung über Influencer Marketing Kampagnen. Man kann sich natürlich über eine hohe Anzahl von Likes freuen und sollte sich auch die damit verbundene Reichweite ansehen. Geht aber ein bis zwei Schritte weiter und analysiert, was euch die Interaktionen wirklich gebracht haben. Wie die Influencer euer Unternehmen und eure Produkte integrieren und welche Effekte neben den Likes entstanden sind.

Erst wenn dieses Bewusstsein bei einem Großteil der Unternehmen in den Köpfen verankert ist, wird auch bei den sogenannten Micro Influencern ein Umdenken stattfinden. Oder sie werden einfach von der Bildfläche verschwinden.

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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  3. Gut gebrüllt, Löwe! 🙂 Wer Influencer heutzutage noch nach Reichweiten bezahlt, hat entweder noch zu lernen, oder genug Geld für Marketing mit der Schrotflinte.

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