Noise-Filter - Die Zukunft vom Social Web

Noise-Filter – Die Zukunft vom Social Web

Momentan findet in Paris die LeWeb 2012 statt. Neben neuen Technologien und Start-Ups, ist auch Social Media eines der wichtigsten Themen. Hierzu zählt auch der Einsatz von „Noise-Filtern“. Das wohl bekannteste Beispiel für solch einen Filter ist der EdgeRank, oder wie Facebook sagt der Newsfeed Algorithmus.

Dalton Caldwell von App.net hat einige interessante Aspekte  zu „Noise-Filtern“ und „Social Signals“ vorgestellt. Seine Kernaussage ist, dass wir zukünftig noch mit wesentlich mehr Daten und Informationen zu recht kommen müssen. Facebook filtert Meldungen im Newsfeed, um so die Aufnahme von Informationen zu erleichtern. SaneBox und Unroll.me filtern Gmail-Accounts und versuchen so mehr Aufmerksamkeit auf wichtige Mails zu lenken.

 

Es gibt immer mehr Tools und Dienster die es ermöglichen Inhalte in sozialen Netzwerken zu veröffentlichen. Es gibt immer mehr E-Mails und Newsletter die im Postfach landen. Unsere Aufnahmefähigkeit ist begrenzt und durch Filter und Algorithmen wird eine technisches Lösung für die Massen an Informationen gesucht.

Facebook ist in diesem Punkt Twitter und Google+ deutlich überlegen. Es werden nicht nur doppelte Meldungen aggregiert dargestellt, sondern der Algorithmus verändert sich mit dem persönlichen Nutzerverhalten. Google+ bietet seinen Nutzern auch „Noise-Filter“ an. Im Gegemsatz zu Facebook müssen die Filter manuell gesetzt werden.

Was viele vielleicht nicht wissen, Google gibt eine Default-Einstellung für Kreise vor. Heißt, auch auf Google+ werden, wenn ihr nicht selber aktiv werdet und die Einstellung ändert, nicht alle Beiträge eines Kreises in eurem Feed dargestellt. Der Google+ Noise-Filter hat fünf Stufen und ich kann nur jedem empfehlen sich seine Kreise einmal anzusehen und den Filter entsprechend einzustellen.

„Optimizing for engagemnt is increasing noise“

Ein kleiner Seitenhieb von Dalton Caldwell in Richtung Facebook. Einerseits filtert der Algorithmus Inhalte im Newsfeed, auf der anderen Seite belohnt er Nutzer und Marken, die Beiträge mit vielen Interaktionen veröffentlichen. Das führt einerseits zu den beliebten „Klickt Gefällt mir Posts“ und zweitens zu immer mehr Inhalten im Newsfeed. Interaktionen werden gesteigert, der Algorithmus bewertet Beiträge höher und es werden mehr Beiträge im Feed angezeigt. Das ist aber keine allgemeingültige Aussage. Es gibt nicht den EdgeRank für eine Seite. Der Wert ist für jeden Nutzer individuell. So ist es möglich, dass für eine Nutzergruppe mehr Beiträge von Seiten im Feed erscheinen und bei einer anderen Nutzergruppe nur Meldungen von Freunden angezeigt werden.

„The best thing for consumers is giving them choice“

Laut Caldwell ist entscheidend den Nutzern Filter-Optionen zu bieten. Google+ Nutzer können den Filter für Kreise selber einstellen. Facebook bietet seinen Nutzern auch Filter-Einstellungen an. So wurde der Seiten-Feed kürzlich eingeführt und es besteht die Option Listen zu erstellen. Nutzer können ihren Feed manuell anpassen und in gewissem Maße mit eigenen Filter-Einstellungen optimieren. Hört sich gut an, wenn da aber nicht die Nutzer wären, die sich mit den Optionen nicht auseinandersetzen möchten. Deswegen ist es für Facebook entscheidend, den eigenen Algorithmus ständig anzupassen und zu verbessern. Immer mehr Apps, Seiten und Nutzer kämpfen um Aufmerksamkeit in den Feeds. Facebook hat genaue Statistiken darüber, wie viele Listen erstellt werden und wie viele Nutzer die Updates von Freunden anpassen. Ich vermute das die Zahl nach wie vor sehr gering ist. Optionen sind gut, doch soziale Netzwerke müssen proaktiv agieren und auch die Feeds von Nutzern optimieren, die nicht eigenständig agieren.

Frictionless und Explicit Sharing (automatisches veröffentlichen von Inhalten über Facebook Open Graph Aktionen) gibt es gerade mal etwas länger als ein Jahr. Die Anzahl von Apps und Webseiten, die auf diese Technologie setzen, wird enorm wachsen. Hinzu kommen mobile Applikationen, die über Anbindungen zu Facebook, Twitter, Google+ und anderen sozialen Netzwerken verfügen. Es gibt also immer mehr „Noise“ im Alltag der Nutzer und ohne Filter wird die Usabillity der Dienste leiden. Nutzer die sich heute über den Newsfeed Filter von Facebook aufregen, werden in zwei-drei Jahren vielleicht ganz anders darüber denken. Nutzer werden mehr Optionen zur individuellen Gestaltung ihrer Feeds und Profile bekommen. Algorithmen, die im Hintergrund agieren und von der Aktivität der Nutzer lernen, wird es aber immer geben. Nicht nur auf Facebook.

Bildquelle: Flickr – Fotograf BarelyFitz

Blogger bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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