Real Simple Shopping

In einem sehr lesenwerten Artikel auf etailment hat jüngst Carsten Werner die Vereinfachungseffekte des Social Web auf den eCommerce übertragen. Denken wir noch einmal kurz zurück: Vor den Blogs und Netzwerken wie MySpace war es für die breite Masse der Internetnutzer sehr schwer, selbst Content zu veröffentlichen. Ein Teil der Erfolgsgeschichte des Social Web ist auch auf die radikalen Vereinfachungsprozesse zurückzuführen, die mit dem Social Web kamen. Von der anderen Seite hat Apple immer wieder vorgemacht, dass eine konsequente Reduktion von Funktionen und ein Fokus auf die einfache Bedienung maßgeblich zur Akzeptanz und damit zum Absatz beiträgt.  Und heute laden sogar die Silver Surfer Videos auf Youtube und teilen Photos in der Cloud.

Diese Vereinfachungsprozesse beinhalten erhebliche neue Umsatzpotentiale im eCommerce. Denn während (zu) oft die Retourenquoten im Fokus stehen, wird der Vereinfachung des Kaufprozesses zu wenig Beachtung geschenkt. Eine der wichtigsten Stolpersteine beschreibt Carsten Werner in seinem Artikel, nämlich den Login Vorgang. Wir sind es in Zeit des Social Web nicht mehr gewöhnt, dass wir uns überall neu registrieren müssen – und haben dazu auch keine Lust mehr. Noch ein Nutzerkonto? Schon wieder ein Newsletter? Nein Danke.

Bisher hat sich das Single-Sign-On über Facebook im eCommerce noch nicht verbreitet. Von anderen Optionen wie OpenID ganz zu schweigen. Damit vergibt der Handel aber eine Riesenchance, ohne diesen jetzt in die Arme von Facebook treiben zu wollen. Denn ein – optionales – Login über Facebook überläßt doch dem Nutzer die Wahl, wie er sich mit der Plattform oder dem Shop verbinden will.  Natürlich wollen die Shops die kompletten Daten der Nutzer haben, aber die Prozeß kann im Sinne einer optimierten Nutzerführung nach hinten verlagert werden, denn die Versanddaten wird der Nutzer ja ohnehin eingeben müssen / wollen.

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Die Potentiale für die Vereinfachung gehen aber weit über das Single-Sign-On hinaus. Insgesamt sollten die sozialen Dienste als Innovationsvorbilder für den eCommerce betrachtet und analysiert werden. Wer schnelle und einfache Prozesse anbietet, wird nicht nur die Abbruchquoten senken können, sondern auch in der Gunst des Nutzers punkten. Schnelligkeit und eine radikale Vereinfachung der Nutzerführung wird im Kontext des eCommerce direkt auf die Marke des Shopbetreibers einzahlen. Auch hier hat Amazon schon eine lange Lernkurve hinter sich und die Prozesse für den Nutzer erfolgreich reduziert. Die Marke Amazon steht heute nicht nur für ein breites Warenangebot, Sicherheit, Nutzerbewertungen und schnelle Auslieferung, sondern auch für Real Simple Shopping.

Andreas Bersch

Gründer und Geschäftsführer der Agentur BRANDPUNKT(ehemals Berliner Brandung) sowie Gründer / Autor von Futurebiz. Andreas Bersch begleitet Marken und Unternehmen in der strategischen Positionierung im digitalen Umfeld und berät im Kontext von Social Media und Social Commerce.

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