Social Media im Jahr 2016 - mehr Zuhören, mehr Qualität & mehr Wertschätzung

Social Media im Jahr 2016 – mehr Zuhören, mehr Qualität & mehr Wertschätzung

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Geht ein Social Media Jahr zu Ende, dauert es nicht lange bis die Prognosen für das kommende Jahr verfasst und gepredigt werden. Es gibt gute und schlechte Prognosen. Für mich geht es in einer Prognose aber nicht nur um neue Trends und Netzwerke, sondern auch um eine Änderung an der Herangehensweise und Umsetzung. Das gilt für Social Media, Content Marketing, Kampagnen und sämtliche Maßnahmen, welche auf die Erfüllung der Marketingziele einzahlen. Diese Einstellung, oder eine Änderung der Sichtweise ist  auch in 2016 der wichtigste Faktor. Nicht Snapchat, nicht Periscope, nicht Facebook Live, oder irgendein andere Entwicklung, die gerade mal wieder durch die Decke geht.

Nach wie vor gilt, wenn wir uns nicht etwas wagen und wenn wir die Produktion unserer Inhalte nicht verbessern, treten auf egal welchem Kanal die gleichen Probleme auf und der Erfolg bleibt aus. Es bringt auch nichts Zahlen planlos durch Anzeigen auf Facebook, Twitter und Instagram zu verschönern. Es bringt etwas relevante und interessante Inhalte durch Paid Media zu verlängern.

Social Media 2016 – Fokus auf Content-Produktion und Distribution

Auch wenn ich mir eine radikale Änderung bei den veröffentlichten und produzierten Inhalten wünsche, glaube ich nicht, dass dies in 2016 von vielen Marken umgesetzt und gelebt werden wird. Die Prognosen wiederholen sich Jahr für Jahr. Was sich ändert sind die Netzwerke und Apps. Wer aber seine Inhalte schon nicht für Facebook optimiert, der wird dies auch nicht für Instagram machen und erst recht nicht für Snapchat. Aus diesem Grund bringt es auch nichts Snapchat als „das große Ding“ für Unternehmen in 2016 zu prognostizieren. Das große Ding für 2016 (und für die Jahre davor) ist eine Optimierung der eigenen Content Strategie und ein klarer Fokus auf die Erstellung von Inhalten, welche auf der einen Seite die Interessen von Kunden in den Vordergrund stellen und auf der anderen Seite die unterschiedlichen Facetten und Besonderheiten des jeweiligen Kanals berücksichtigen.

Passiert das bis jetzt auf Instagram? In Ausnahmefällen und meistens kommen diese Inhalte von den Unternehmen, welche auch Facebook und Twitter verstanden haben. General Electric ist nicht zwingend eine „Love Brand“. GE zeigt aber immer wieder, wie Inhalte für die unterschiedlichsten Kanäle produziert, adaptiert und verbreitet werden müssen. Wer diesen Prozess einmal definiert und optimiert hat, der wird in jedem sozialen Netzwerk erfolgreich sein und braucht nicht auf einen neuen Trend zu warten, um dort die erfolglosen Inhalte in einem neuen Format zu veröffentlichen.

Digitale Transformation, Evolution, oder Degenaration? Ein Großteil der Unternehmen befindet sich noch Mitten in der Entwicklungsphase, welche sich in 2016 weiterhin fortsetzen wird. Das Verständnis und Wissen ist in vielen Unternehmen vorhanden, nur hapert es an den Ressourcen, dem Budget und den richtigen Partnern. Wird da Potenzial eines neuen Kanals, beispielsweise Instagram, erkannt und auch belegt, kommen entsprechende Fragen zum Aufwand und den Ressourcen. Wer auf Facebook aber immer noch nicht die richtigen Kennzahlen verfolgt und über eine klare Strategie verfügt, dem fehlen natürlich die Argumente für eine Aufstockung des Budgets. Ergebnis ist leider häufig, dass neue Kanäle stiefmütterlich behandelt, oder tot diskutiert werden. Das zeigt sich bei Instagram, Pinterest und YouTube (ja, immer noch) und wird sich auch nicht bei Snapchat und Co. ändern.

Social Media 2016 – Zuhören und selber aktiv werden

Es wird noch viel zu oft das Megafon in die Hand genommen und Inhalte veröffentlicht, welche an den Interessen und den wirklichen Fragen der Menschen vorbeigehen. Storytelling wird seit Jahren geprädigt, aber die einzigen die Geschichten im Social Web erzählen, sind Medienunternehmen. Von Marken sieht man dies noch viel zu selten und das liegt auch mit daran, dass den Menschen nicht zugehört wird. Das wird besonders im Live-Streaming Bereich entscheidend. Schaut euch Periscope und Facebook Love Streams an und verfolgt, welche Inhalte funktionieren. Ein Live-Stream, bei dem ein Produkt abgefilmt und kommentiert wird, ist sicher nicht die richtige Lösung. Persönlich glaube ich nicht, dass Live-Streaming für viele Marken in 2016 schon zu einem festen Bestandteil der Online Kommunikation werden wird. Bei Medienunternehmen sieht es anders aus, aber hier herrscht auch eine andere Ausgangssituation vor.

Dank mobile Messenger Apps wie WhatsApp, dem Facebook Messenger, Line, WeChat, Snapchat und Telegram wird das Zuhören aber nicht wirklich einfacher, da ein Großteil der Kommunikation privat erfolgt – Stichwort Dark Social. Somit wird es noch wichtiger selber diese Apps auch beruflich zu nutzen, um die unterschiedlichen Facetten zu verstehen und bewerten zu können.

Social Media 2016 – Endlich die richtigen KPIs messen und bewerten

Neben der Produktion von Inhalten ist die Erfolgsmessung eine der großen Baustellen. Auf Unternehmensseite und auf Agenturseite. YouTube ist nun wirklich kein neuer Stern am Social Media Himmel, steht aber wie kaum ein anderes Netzwerk für die Probleme der Content-Produktion. Deswegen werden YouTuber und Influencer Marketing im Allgemeinen auch einer der Treiber für das Marketing in 2016 werden. Influencer haben nämlich verstanden, was ihre Follower interessiert und wie Inhalte netzwerkspezifisch produziert werden müssen.

Social Media 2016 – Influencer Marketing wird sich ändern (müssen)

Allerdings wird sich Influencer Marketing auch weiterentwickeln müssen. Ich finde es teilweise schade, dass die Produzenten von Inhalten, seien es YouTuber, Instagramm, oder Blogger, erst dann für Unternehmen interessant werden, wenn das Reichweitenthema aufkommt. Jahrelang wurde über organische Reichweiten auf Facebook diskutiert. Da diese immer weiter gesunken sind, was nicht nur die Schuld von Facebook ist, kommen jetzt Influencer ins Spiel. Influencer Marketing steht in Deutschland am Anfang und die Beispiele für kreative und nachhaltige Ansätze ist überschaubar. Wir buchen Influencer wie Anzeigen und wundern uns dann, dass nach Ablauf einer Kampagne wieder alles beim Alten ist und kein langfristiger Erfolg entsteht. Produkte in die Kamera oder vor das Smartphone halten ist nur eine Facette des Influencer Marketing und in vielen Fällen haben sich die Follower hieran schon satt gesehen. Wenn wir an dieser Stelle einen Vergleich zu Facebook machen, wäre es ein Chronik Gewinnspiel. Kurzfristig schießen die Interaktionen durch die Decke und für alle kommenden Inhalte interessiert sich niemand. Oder zumindest nicht mehr Menschen als davor. Wir sollten auf Influencer hören und ich bin der Meinung, dass Unternehmen mehr von Influencern lernen können, als Influencer von Unternehmen. Das hat nicht nur mit der persönlicheren Beziehung zu den Followern zu tun, sondern vor allem in der Art und Weise der Kommunikation. Wo wir wieder bei der Verständnisfrage und der Herangehensweise wären.

Es bringt nichts Influencern seine eigenen Inhalte aufzuzwingen. Es bringt aber etwas Influencern zu zuhören und sich mit ihnen abzustimmen. Dabei müssen wir viele „gelernte“ und gelebte Denkweisen vergessen und uns für neue Ansätze öffnen. Sind Unternehmen hierzu nicht bereit und verfügen intern nicht über die richtigen Argumente, wird auch Influencer Marketing in 2016 nicht der heilige Gral werden. Die Zeiten, in denen Influencer nur anhand von Views, Followern und Besuchszahlen definiert wurden, sind vorbei. Es geht in die Nische und auch „kleinere“ Influencer werden an Relevanz für Unternehmen gewinnen.

Fazit

Meine Prognose, oder besser mein Wunsch, für 2016 lautet somit wie folgt:

  • Lasst euch nicht mehr von Redaktionsplänen und einer bestimmten Anzahl von Postings pro Woche lenken.
  • Schaut nicht mehr nur auf Reichweiten und Klickzahlen, sondern geht mit euren Analysen einen (oder besser zwei) Schritt weiter.
  • Lernt von Infuencern und versteht, warum diese Menschen Social Media so erfolgreich betreiben.
  • Setzt Mediabudget sinnvoll ein und nicht nur um Zahlen für das interne Reporting zu beschönigen.
  • Werdet euch klar darüber, wie ihr Inhalte produzieren und verbreiten könnt.
  • Veröffentlicht lieber drei gute Inhalte pro Monat, als zehn austauschbare pro Woche.
  • Habt Trends und neue Netzwerke auf dem Schirm, begeht dort aber nicht die gleichen Fehler wie in der Vergangenheit.
  • Öffnet soziale Netzwerke und CM Tools nicht nur zum posten, sondern verfolgt andere Inhalte.

Und gebt nicht auf und erklärt eurem Chef immer und immer wieder, worauf es bei Social Media und digitalem Marketing ankommt und das es mehr als Reichweiten gibt.

Bildquelle Flickr CC by 2.0: Fotograf – Rich Ferdinand (change zukunft)

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

Kommentare

  1. […] möchte ich dieses schöne Plädoyer von Futurebiz zitieren, weil ich es einfach sehr treffend und herzerwärmend […]