Keine Likes, Shares und Follower mehr. Wie Social Media Marketing ohne Vanity Metrics aussehen könnte? - Futurebiz.de

Keine Likes, Shares und Follower mehr. Wie Social Media Marketing ohne Vanity Metrics aussehen könnte?

Twitter zieht alle Möglichkeiten in Betracht. Auch die Entfernung des Like Buttons. Social Media ohne Like Buttons? Was würde passieren, wenn alle sozialen Netzwerke die sogenannten Vanity Metrics wie beispielsweise Likes, Follower und Views nicht mehr anzeigen würden?

Vanity Metrics als Auslöser von Engagement Bait

Wir würden auf Instagram kein #Like4Like mehr sehen. Engagement Baiting auf Facebook wäre am Ende. Für die Art und Weise wie Social Media Taktiken teilweise gedacht und umgesetzt werden, wäre ein Ende der Vanity Metrics durchaus zu begrüßen.

Am Beispiel von Twitter sieht man, wie sich der Wechsel vom Fav zum Like ausgewirkt hat. Die Interaktionen mit Tweets sind angestiegen. Die Funktion war vom Prinzip identisch. Die Änderung an der Bezeichnung hat aber mehr Auswirkungen gehabt, als nur einen anderen Namen.

Mehrere unterschiedliche Interaktionen vs. eine Interaktion

Aber natürlich gehören Interaktionen zu sozialen Netzwerken. Davon leben sie und Diskussionen werden durch Interaktionen gelenkt und geprägt. Während Twitter durchaus in Betracht zieht, sich vom Like Button zu verabschieden, ist Facebook vor Jahren einen anderen Weg gegangen. Die Einführung von Reactions hat das Engagement auf Facebook nochmals verändert. Jahrelang wurde ein Dislike Button gefordert. Teilweise wurde dieser mit den Reactions umgesetzt.

Aus Social Media Marketing Sicht haben Facebook Reactions zu einer neuen Form von Beiträgen geführt. Reactions wurde als Votinginstrument eingesetzt. Mittlerweile wurden die Reactions auch in Instagram Stories etabliert. Glaubt man den Zahlen von Facebook, dann hat sich die Entscheidung definitiv gelohnt.

Raw Social Media

Wäre es dann für Twitter nicht der logische Schritt, die eigenen Interaktionsmöglichkeiten zu erweitern? Ein Like in sozialen Netzwerken bedeutet schon lange mehr als “ gefällt mir“. In Diskussionen ist ein Like eine Zustimmung und auf Twitter benutze ich den Like Button weiterhin als Bookmark, da Twitter es einfach nicht schafft, die Funktion einzuführen. 

Die Chrome Extension Remove Vanity Metrics entfernt sämtliche Interaktionen auf Twitter. Ihr seht alle Tweets in der Timeline. Wie viele Likes und ReTweets es gibt, wird jedoch ausgeblendet. Die Entwickler der Extension sprechen von „Raw Social Media“. Wie stark lassen wir uns von den Interaktionen beeinflussen? Schenken wir automatisch Inhalten mit vielen Interaktionen mehr Aufmerksamkeit? Sind Inhalte mit weniger Interaktionen automatisch schlechter?

Taylor Lorenz von The Atlantic fordert nicht das Ende vom Like Button auf Twitter, sondern von ReTweets. Diesen Ansatz kennen wir von Instagram. Auch hier wird auf einen Share Button (Ausnahme Direktnachrichten) verzichtet. Shares und ReTweets fördern die Verbreitung von Inhalten. Hierzu zählen aber leider auch Fake News. Ob eine Deaktivierung der Funktion die Verbreitung eingrenzen würde, müsste sich erst zeigen. Wenn aber in die Richtung Fake News und Hate Speech gedacht wird, dann sind Like Buttons sicher nicht das größte Problem.

Und was ist mit Followern und Fans?

Stellt euch Instagram ohne Followerzahlen vor. Ihr könnt weiterhin Accounts und Unternehmen folgen, nur wird die Zahl nicht mehr angezeigt. Niemand kennt sie. Die Auswirkungen wären an mehreren Fronten spürbar. Beim Influencer Marketing am deutlichsten. Zwar achten immer mehr Unternehmen auf die Qualität der Inhalte, die Followerzahlen werden aber natürlich weiterhin berücksichtigt und analysiert. Wenn die Statistik nicht mehr angezeigt wird, müssten sich Unternehmen noch stärker auf die Inhalte konzentrieren.

Natürlich sind Statistiken für das Social Media Marketing wichtig. Es geht aber noch zu oft um die Quantität und nicht die Qualität. Hinzu kommt, wie Menschen sich von Likes und Co. beeinflussen lassen. Aus diesem Grund finde ich die Einstellung von Twitter, sich mit sämtlichen Optionen zu befassen, durchaus richtig. Das Ende vom Like Button auf Twitter wünsche ich mir dennoch nicht.

Jan_Firsching_blogger_Social-MediaBerater_Futurebiz

Blogger in Charge bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. Jan Firsching berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.