Social TV Benchmark Twitter & Facebook

Social TV Benchmark Twitter & Facebook: die richtigen Inhalte zum richtigen Zeitpunkt.

145217255_e9e2742818_o
„Social TV beeinflusst Einschaltquoten.“
„Social TV liefert Prognosen, wie erfolgreich ein TV Format sein wird und wie sich die Zuschauerzahlen von Serien entwickeln.“
„Social TV ist Real-Time und der Treiber von Diskussionen bei großen Sportveranstaltungen.“

TV Sender haben schon lange erkannt, welchen Einfluss soziale Medien auf TV Formate haben. Bevor, während und nachdem Sendungen ausgestrahlt werden, verfassen Zuschauer Tweets, veröffentlichen Kommentare auf Facebook, oder konsumieren einfach die Inhalte anderer Nutzer. Doch wie viel Einfluss hat Social TV wirklich und wie viele Zuschauer beteiligen sich an Diskussionen und veröffentlichen eigenen Inhalte?

In Deutschland sind es schon seit Jahren die gleichen Formate, die für die meisten Tweets sorgen. Tatort, IBES, Germanys Next Topmodel, DSDS, TVOG und in der Vergangenheit Schlag den Raab. Das Verhältnis zwischen Zuschauern und Autoren (Nutzern die Tweets veröffentlichen) geht bei allen Sendungen aber sehr weit auseinander. Es geht soweit auseinander, dass man sich fragen muss, ob Social TV auf Twitter wirklich so viel Einfluss hat, oder ob wir uns etwas wünschen, was es in der Realität nicht gibt.

Social TV auf Twitter

Ein paar Beispiele: Der Tatort gilt als das Social TV Ereignis in Deutschland. Im Durchschnitt haben 9,6 Mio. Menschen in 2015 am Sonntag Abend den Tatort angesehen. Vom Gefühl her werden auch sehr viele Tweets veröffentlicht. Es sind aber „nur“ 7.500 Tweets pro Tatort, welche sich auf 5.000 Autoren (Unique) verteilen. Das sind 0,05 % aller Tatort Seher. 0,05 % sollen Einfluss auf ein TV Format haben?

Auch bei den Casting Shows, welche sich primär an eine jüngere Zielgruppe richten, sieht es ähnlich aus. 3.300 Tweets reichten #GNTM für Platz 1 bei den Trending Tweets in Deutschland. 2.100 Autoren war für die Tweets verantwortlich. Das sind 0,08 % der TV Zuschauer.

Social TV Twitter Benchmark
Create your own infographics

Der Impact von Twitter auf TV Sendungen ist in Deutschland überschaubar. Gleichzeitig wird deutlich, welchen Einfluss eine relativ geringe Anzahl von Twitter Nutzern auf die Verbreitung von Hashtags auf Twitter haben. Für ein Trending Topic auf Twitter benötigt man nicht zehntausende von Tweets. Das Beispiel von #GNTM zeigt, dass 3.000 für den ersten Platz reichen. Wahrscheinlich hätten auch 2.000 Tweets ausgereicht.

„Ich bin ein Star, holt mich hier raus“ gilt als das Social TV und Twitter Highlight von RTL. Während der letzten Staffel wurden über 400.000 Tweets mit dem Hashtag #ibes veröffentlicht. Mit dem gleichen Bild. 50 % der Tweets, also 200.000, stammen von nur 850 Twitter Nutzern! Die anderen Hälfte verteilt sich auf 35.000 Autoren. Im Vergleich zu den Zuschauerzahlen sind das nur 0,4 %.

Twitter stand lange Zeit für Social TV. Twitter ist Real-Time und vom Prinzip her ideal für Social TV geeignet. Das ist richtig, aber wie bei allen anderen Inhalten im Social Web dürfen wir nicht vergessen, dass ein Großteil der Nutzer Inhalte konsumiert. Die Anzahl der Autoren ist bezogen auf Social TV und Twitter gering. Aus diesem Grund empfiehlt es sich bei Social TV nicht nur auf Twitter zu achten, sondern auch auf Facebook. Zwar ist die Messung von Beiträgen und Kommentaren auf Facebook nicht so einfach wie auf Twitter, die Aktivität der Zuschauer ist aber definitiv vorhanden.

Auch Facebook ist Real-Time Social TV

60 % aller Interaktionen zu TV Sendungen passieren in Echtzeit. Also während die Sendung gerade läuft. Damit ist Facebook nicht weniger Real-Time als Twitter. Die Interaktionen sind nur nicht öffentlich einsehbar. Beim Finale der US Serie Breaking Bad konnten auf Facebook nahezu 4,5 Mio. Interaktionen gemessen werden. Das war in 2013. Im Vergleich dazu kam der Super Bowl 2016 auf 16,9 Mio. Tweets von 3,8 Mio. Autoren. Der Super Bowl zeigt, dass die Verteilung von Tweets und Autoren kein deutsches Social TV Phänomen ist, sondern auch in den USA gültig ist.

Social TV - Verteilung Tweets Super Bowl 2016

Nielsen hat nicht ohne Grund Facebook in seine Social TV Ratings mit aufgenommen und verlässt sich nicht mehr ausschließlich auf Twitter.

Zu Golden Globes gab es auf Facebook 19 Millionen Interaktionen von über 9 Mio. Autoren. Das sind deutlich mehr als beim Super Bowl auf Twitter. Auf Twitter gab es 4,4 Mio. Tweets zu den Golden Globes. Bei den großen Unterschieden bei den Nutzerzahlen ist das eigentlich nicht verwunderlich. Dennoch wird Social TV häufig mit Twitter gleichgesetzt, obwohl Facebook der wichtigste Akteur in diesem Bereich ist.

Bei Social TV dürfen wir uns aber nicht nur die Nutzer ansehen, welche Inhalte veröffentlichten. Wichtig ist auch, wie Unternehmen agieren. Einerseits mit eigenen Inhalten auf Twitter und Facebook, aber auch wie sie soziale Netzwerke in TV Formate integrieren. Das kommt in meinen Augen bei vielen Sendungen noch viel zu kurz. Ich meine auch nicht das Einblenden und Vorlesen von Tweets. Das ist absoluter Standard. Vielmehr geht es um die Aktivierung der Nutzer, der Kommunikation von Hashtags und dem Mehrwert, der durch eine Beteiligung an einer Diskussion entstehen kann (und soll).

Matthias Mehner (Head of Social Media bei ProSiebenSat.1 Media AG) weiß wie wichtig eine gute Kommunikation während einer TV Sendung auf Facebook ist.

„Bei Germany’s Next Topmodel spielt die Parallellkommunikation auf Facebook während der Sendung eine wichtige Rolle. Auf Twitter sieht es anders aus, da sich hier einfach zu wenige Zuschauer aus der relevanten Zielgruppe tummeln. Social TV bezieht sich in erster Linie auf Zuschauer, die bereits TV schauen. Das ist gut für die Zuschauerbindung – bringt uns aber nicht unbedingt mehr TV Zuschauer, sondern eher den sozialen Medien mehr aktive Nutzer.“

 

„Wir denken immer von Plattform zu Plattform und versuchen da jeweils den relevanten Content anzubieten und dieser sieht auf Facebook anders als auf Twitter aus. Zu Interaktionen: ganz Klar unser KPIs bei Facebook während der Sendung – Wir wollen, dass TV Zuschauer, welche auch auf Facebook sind, ihre Meinung sagen und mit der Community interagieren. Das gleiche gilt natürlich auch auf Twitter, nur ist die Community da viel kleiner und somit auch unser Aufwand geringer.“

Ein typische Kommunikation sieht in TV Deutschland so aus: Zum Start und in Ausnahmefällen auch nochmals während der Sendung, wird ein Hashtag eingeblendet. Das wars. Das „Zwitschern“ bei Circus HalliGalli kann man schon fast als Innovation bezeichnen. Namen von Sponsoren und Werbung werden brav erwähnt und eingeblendet. Zuschauer werden aber nach wie vor nur sehr dezent auf die sozialen Medien und Hashtags hingewiesen. Vielleicht weil die TV Sender wissen, dass Social TV wenig Einfluss hat? Oder vielleicht hat Social TV nicht den Einfluss, weil es oft noch stiefmütterlich und sehr dezent kommuniziert wird?

Ein Blick in die USA zeigt ein anderes Bild. Wir finden Hashtags in Sportstadien, es gibt unterschiedliche Hashtags pro Segment einer TV Show, Moderatoren twittern während den Sendungen (oder erwecken zumindest den Eindruck), Prominente und Influencer werden während der Übertragung aktiv und in den Werbepausen werden exklusive Inhalte der Formate über die sozialen Medien und/oder eigene mobile Apps veröffentlicht.

Ein Hauptproblem bei Social TV ist, dass wir darauf warten, dass Zuschauer aktiv werden. Wir blenden kurz einen Hashtag ein und dann wird schon jemand twittern. Kann man machen, aber dann wird Social TV weiterhin eine Randerscheinung bleiben. Dazu zählt auch der Einsatz von Media und die Produktion von Inhalten, die für Social TV abgestimmt sind. Des Weiteren darf Social TV nicht mehr nur auf Twitter gespielt werden, sondern muss auch auf Facebook, ja in die gesamte Kommunikation mit integriert werden. Ein ganz wichtiger Aspekt hierbei sind mobile Apps. Durch zusätzliche Inhalte und Push Benachrichtigungen kann die Attraktivität von Sendungen und von der Beteiligung an Diskussionen deutlich gesteigert werden. Gemeint sind keine plumpen Aufforderungen wie „Jetzt unter dem Hashtag #ibes twittern und gewinnen“, sondern Inhalte die im linearen TV nicht stattfinden, oder sich auf die Sendung aktuell beziehen.

Bildquelle Flickr CC by 2.0: Fotograf – Lee Nachtigal (playing with the tv)

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

Kommentare

Kommentare

Deine Meinung?