Susan Wojcicki YouTube: "Die Wiedergabedauer bei Videos ist entscheidend und nicht die Views."

Susan Wojcicki von YouTube: „Die Wiedergabedauer bei Videos ist entscheidend und nicht die Views.“

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Welche KPIs sind bei der Performance von einem Video entscheidend? Wenn die Rede von Virals ist, werden fast immer nur Views beziehungsweise Videoaufrufe kommuniziert. Facebook geht bei seinem eigenen Videoformat ähnlich. Die 4 Mrd. täglichen Views dienen als Hauptargument für Facebook Videos und ziehen die Aufmerksamkeit von Unternehmen und Agenturen auf sich.

YouTube kommuniziert hingegen nicht nur die Videoaufrufe, sondern die Wiedergabezeit. Allerdings ist YouTube hier nicht sehr genau, sondern spricht lediglich von mehreren Hundert Millionen Stunden Wiedergabezeit pro Tag. In den offiziellen YouTube Statistiken werden zwar auch mehrere Milliarden Views pro Tag genannt, aber erst nach der Wiedergabezeit. Susan Wojcicki , CEO von YouTube, hat auf der Brainstorm Tech Conference nochmals betont, dass die Wiedergabezeit entscheidend ist und Views hierfür nur die Basis bilden.

„Facebook views are different. They come in a feed on autoplay. We want users to be engaged, and with the ‚watch time‘ metric we know users continued to watch it.“ Susan Wojcicki via Business Insider

Facebook kommuniziert die Views aber nicht grundlos. Erstens sucht die Entwicklung ihres gleichen und zweites springen Unternehmen und Agenturen auf diese Metrik leichter an. Views sind vergleichbar mit Aufrufen von Webseiten. Wie viele Nutzer haben mein Video gesehen? Wie viele Nutzer waren auf meiner Webseite? Die Wiedergabedauer ist mit der Verweildauer auf einer Webseite vergleichbar. Was bringen mir 10.000 Besucher auf meiner Webseite, wenn sie die Seite nach 4 Sekunden wieder verlassen? Gleiches gilt für Views. Ein View von einem Facebook Video wird nach 3 Sekunden gezählt. Wenn wir uns die Statistiken zu Facebook Videos nicht genauer ansehen, können wir auf den ersten Blick nicht erkennen, wie lange sich Menschen auf Facebook das Video auch tatsächlich angesehen haben. Brechen 80 % das Video nach 4 Sekunden ab, hat es eventuell viele Views, aber nur eine sehr geringe Wiedergabezeit.

Der steigende mobile Konsum von Videos wird die Wiedergabedauer weiter in den Vordergrund rücken. Der Großteil aller YouTube Views erfolgt mobil. Bei Facebook herrscht die gleiche Situation und 75 % aller Facebook Videos werden auf dem Smartphone konsumiert. Diese Entwicklung wird sich weiter fortsetzen und so liegt es auf der Hand, dass YouTube und Facebook sich auf mobile Videos konzentrieren.

Es gibt aber nicht nur YouTube und Facebook. Mit Twitter und auch Snapchat gibt es zwei weitere soziale Netzwerke, die verstärkt auf mobile Videos setzen.

“This is a big market and I think Facebook and Twitter and everybody else has recognized this is a big opportunity and they are coming into the market. Susan Wojcicki

Während Twitter auf einen ähnlichen Ansatz wie Facebook setzt, geht Snapchat einen anderen Weg und spricht selbst von dem „einzig wahren“ Videoformat für die mobile Nutzung. Snapchat kann ebenfalls imposante Zahlen nennen (2 Mrd. Views pro Tag), aber bekommt aktuell auch einigen Gegenwind seiner Nutzer zum Snapchat Discover Feature. Bei Snapchat Discover können sich Nutzer Snaps von Medienunternehmen ansehen. Ein interessantes Format, aber die Nutzer reagieren durchaus kritisch. Besonders durch die neue Positionierung. Snapchat stellt das Discover Feature noch stärker in den Vordergrund. Eventuell waren die Zugriffe nicht zufriedenstellend und es wird jetzt versucht, mehr Nutzer für die Funktion zu begeistern.

YouTube hat starke Konkurrenz bekommen und der Druck von Facebook und Co. wird nicht nachlassen. Problematisch sei die Situation aber laut Wojcicki aber nicht. Die Wiedergabezeit von YouTube Videos wächst weiterhin pro Jahr um 50 %. Ein klares Indiz dafür, welches Potenzial bei Bewegtbild besteht und wie groß der Einfluss von Smartphones auf den Videokonsum ist. Für Unternehmen ist es entscheidend Videos effektiv zu platzieren und zu verbreiten. Die Zeiten in denen ein Video ausschließlich auf YouTube veröffentlicht wurde sind vorbei. Jetzt gilt es sein Bewegtbildmaterial für die einzelnen sozialen Netzwerke und mobile Apps anzupassen, beziehungsweise exklusive Videos für die einzelnen Kanäle zu erstellen und auf deren Bedürfnisse (und die Bedürfnisse der Nutzer) abzustimmen.

Bildquelle Flickr: Fotograf – jonsson

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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