True Social? Vero fehlt, was Snapchat ausgezeichnet hat. - Futurebiz.de

True Social? Vero fehlt, was Snapchat ausgezeichnet hat.

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Am spannendsten an Vero sind aktuell nicht die Funktionen, sondern die Meinungen, welche sich rund um das aufstrebende soziale Netzwerk drehen. Von „Vero ist ein alter Hut“, über „gebt Vero erstmal eine Chance“, bis zu „Vero könnte zu einer echten Alternative zu Facebook und Co. werden“, ist alles dabei.

Irgendwie haben alle drei Meinungen recht. Für mich ist immer ein entscheidender Indikator, wer sich bei so einem Hype registriert. Sind es wieder nur die üblichen Verdächtigen aus der Social Media Welt oder sind auch Freunde dabei, deren Interesse an neuen Apps sonst eher verhalten ist. Vero hat es zumindest geschafft, dass beide Gruppen am Start sind. Das heißt, die Aufmerksamkeit ist momentan sehr hoch, auch außerhalb der Social Media Filterblase. Aber wodurch zeichnet sich Vero aus? Ist es vielleicht mehr die Unzufriedenheit mit Facebook und Instagram als die Features von Vero?

Das neue soziale Netzwerk bezeichnet sich als True Social und in meinen Augen sind es vor allem zwei Punkte, die neue Nutzer anziehen.

USP 1: Vero hat keinen Algorithmus

Seit Facebook seinen News Feed durch Algorithmen sortiert, gibt es immer wieder Forderungen nach einer chronologischen Reihenfolge. Auch das kann man verstehen. Eine chronologische Reihenfolge kann aber problematisch werden, beziehungsweise kann die Qualität des Feeds leiden.

Auf Facebook ist beispielsweise die Anordnung „Neueste Meldungen“ alles andere als Optimal und dem „Top Meldungen“ Feed deutlich unterlegen. Es gibt genauso viele negative Stimmen zu langweiligen Urlaubs- und alltäglichen Bildern, irrelevanten Veranstaltungen und geteilten Videos. Genau das ist die Gefahr bei einer chronologischen Sortierung.

Wenn von True Social gesprochen wird, dann geht es auch nicht um Unternehmen, welche durch eine chronologische Sortierung profitieren würden. Falls das jemand glaubt.

USP 2: Vero hat keine Anzeigen

Werbung nervt die Menschen auf Facebook, Instagram oder Twitter. Oder schlechte Werbung und falsches Targeting stört die Menschen. Das ist logisch und wenn ein soziales Netzwerk kommuniziert, dass es keine Anzeigen von Unternehmen geben wird, werden viele Menschen hellhörig.

Das Modell funktioniert aber nur dann, wenn es ein anderes Finanzierungsmodell gibt. Im Fall von Vero sind es Gebühren für die Nutzung von Vero. Ob die Menschen dann wirklich bereit sind, für eine Social Media App zu zahlen, wenn es doch Facebook, Insta und Snapchat kostenlos gibt, wird sich zeigen. Ich bin skeptisch.

Des Weiteren gibt es auf Vero auch relativ prominente Platzierungen von Produkten. Auch CTAs wie „jetzt bestellen“ findet man auf den ersten Blick. Wenn Werbefrei kommuniziert wird, dann sollte es auch komplett Werbefrei sein. Wer für Vero bezahlt, sollte solche Produkte zumindest nicht angezeigt bekommen. Oder wie denkt ihr darüber?

Warum die beiden von Vero USPs nicht ausreichen werden

Reichen die beiden USPs? Auch das Design wird häufig positiv erwähnt. Das ist natürlich auch ein wenig Geschmacksache, aber ein Freund von drei verschiedenen Schriftarten und Textblöcken auf einem Bild kann es nicht sein.

Auch die Möglichkeit Filme, Bücher und Musik mit seinen Freunden zu teilen, ist nichts Neues. Im Gegenteil. Wer sich noch an die Hochzeiten der Facebook Open Graph Apps erinnern kann, wird Beiträge dieser Art kennen. Es gibt eine Vielzahl von Apps, die genau das Gleiche machen und über Anbindungen zu sozialen Netzwerken verfügen. Die automatisierten Posts wurden auf Facebook eingestellt. Es ist aber weiterhin möglich, über Status Updates identische Beiträge zu veröffentlichen.

Niemand wird zu Vero wechseln, weil man eventuell Bücher und Filme schneller Posten kann. Wenn Influencer auf Instagram ihre Vero Profile teilen, dann geht es leider häufig nicht um True Social, sondern um einen Rückgang bei der eigenen Reichweite und der Interaktionen. Ist das die Motivation, dann wird es für Vero schwierig.

Auch wenn Vero keine Werbung zulässt, werden Menschen Werbung auf Vero teilen. Sei es für sich selbst oder sei es für ein Unternehmen. Das heißt, wenn man beispielsweise den gleichen Influencern wie auf Instagram folgt und diese Kooperationen durchführen, dann werdet ihr diese auch auf Vero sehen. Da bin ich mir sicher. Das ist übrigens das nächste Problem. Wer den gleichen Profilen wie auf Facebook, Twitter und Instagram folgt und das auch auf Vero macht, wird den Mehrwert schnell infrage stellen.

Vero fehlt die Innovation von Snapchat

Wenn man Vero mit dem Snapchat Hype von vor ein paar Jahren vergleicht, dann fehlen Vero die Innovationen. Snapchat hat Social Media auf den Kopf gestellt und dafür gesorgt, dass wir Stories jetzt in vielen Apps vorfinden. Den enormen Erfolg von Stories konnte man damals noch nicht erahnen, aber es war ein neues Format und eine neue Form der Kommunikation. Vero hat das nicht.

Facebook macht Snapchat das Leben schwer und genau deswegen. Stories waren neu und gab es in dieser Form in keiner anderen App. Alles was Vero hat, gibt es aber schon. Instagram Stories haben denn rasanten Wachstum von Snapchat gestoppt. Ob die Stories chronologisch waren oder ob es Werbung gab, hat keine Rolle gespielt. Es ging um die bestehenden Kontakte und die Reichweite der Stories.

Den Klassiker #like4like gibt es auf Vero übrigens auch schon.

Wer jetzt schreibt, man sollte Vero eine Chance geben, sollte mal überlegen, wann man Snapchat die letzte Chance gegeben hat. Es wird die Zeit von einer neuen Social Media App kommen, die Facebook herausfordern wird. Dafür benötigt es aber einen neuen Ansatz. Ein chronologischer Feed und unzufriedene Nutzer anderer Plattformen, werden aber nicht ausreichen.

Leseempfehlungen zu Vero:

Vero’s founder didn’t pay his employees, but now he’s all about ‚trust‘

Meet Vero, the barely-functional app gunning for Instagram’s audience

Blogger in Charge bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. Jan Firsching berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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