Warum ein Vergleich von Twitter & Instagram kaum Sinn macht.

300 Mio. Nutzer oder 500 Mio. Tweets? Warum ein Vergleich von Twitter und Instagram kaum Sinn macht.

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Twitter hat mit seinen aktuellen Quartalszahlen für gemischte Reaktionen gesorgt. Die mobile Nutzung und Anzeigenumsätze sind gestiegen und konnten die Erwartungen von Analysten und Investoren erfüllen. Beim Nutzerzwachstum sah es anders aus und Twitter ist langsamer gewachsen, als es von vielen Experten erwartet wurde. 241 Mio. aktive Nutzer hat Twitter. Was ich in diesem Zusammenhang nicht verstehe, ist ein Vergleich mit Instagram.

 

Instagram hat mehr aktive Nutzer als Twitter. Twitter hat mehr Inhalte als Instagram. Und jetzt?

Mit über 300 Mio. aktiven Nutzern ist Instagram an Twitter, gemessen an den Nutzerzahlen, vorbeigezogen. Ein Vergleich von Twitter und Instagram nur anhand der Nutzerzahlen macht wenig Sinn, denn die Nutzung ist eine vollkommen andere. Würde man pro Twitter argumentieren wollen, könnte ich sagen, dass auf Twitter pro Tag 500 Mio. Tweets veröffentlicht werden und auf Instagram nur 70 Mio. Fotos. Sind Instagram Nutzer deswegen weniger aktiv, oder hat Instagram ein Problem mit der Aktivität seiner Nutzer? Natürlich nicht.

Wenn wir nur rein auf die Nutzerzahlen und das Wachstum achten, lassen wir viele wichtige weitere Punkte außen vor.

Wie unterschiedlich Instagram und Twitter sind, könnt ihr leicht an eurem eigenen Nutzerverhalten feststellen. Während wir auf Instagram durch unsere Feed scrollen und überprüfen welche neuen Fotos es gibt, sind wir auf Twitter wesentlich „flüchtiger“ unterwegs. Twitter lebt von Themen und aktuellen Informationen und (noch) nicht von seiner Timeline. Nutzer suchen nach Hashtags und verfolgen Diskussionen, beziehungsweise äußern sich zu Themen.

Des Weiteren besteht Twitter aus unterschiedlichen Content-Formaten. Text, Links, Fotos und neuerdings auch Videos bieten Nutzern mehr Optionen bei der Veröffentlichung von Inhalten. Dies muss aber auch nicht immer ein Vorteil sein. Instagram bietet zwar auch Videos an, aber es werden nach wie vor wesentlich mehr Fotos veröffentlicht. Die unterschiedlichen Formate führen zu einer  anderen Darstellung von Inhalten und auch zu anderen Themen. Ihr werdet zwar auch Instagram Fotos und Hashtags zum Tatort auf Instagram finden, aber bei weitem nicht in dem Umfang wie auf Twitter. Das ist kein Problem für Instagram, denn darum geht es nicht. Es ist aber eine Stärke von Twitter und die Anzahl von Tweets und Erwähnungen wird auch dann noch höher auf Twitter sein, wenn Instagram doppelt so viele Nutzer hätte.

Twitter hat die Problematik mit seiner Timeline erkannt

Twitter weiß um seine Schwachstellen und die liegen in der Timeline. Auch wenn viele Nutzer sich über jede Änderungen in der Timeline aufregen, muss Twitter weitere Optimierungen und Veränderungen umsetzen. Dabei geht es nicht darum ein zweites Facebook zu werden, sondern die Darstellung so zu verbessern, dass die Verweildauer und die Aktivität in der Timeline steigt.

Schon jetzt zeigen verschiedene Statistiken, wie effektiv Fotos und Twitter Cards in der Timeline sind. Die Interaktionen mit Tweets steigen an und die prominentere Linkvorschau führt zu mehr Aufmerksamkeit in der Timeline. Hierüber regt sich dann niemand auf, aber wenn zusätzliche Inhalte in der Timeline angezeigt werden, bricht die große Panik aus.

Mit Instant Timelines versucht Twitter neue Nutzer schneller „abzuholen“. Die Timeline wird automatisch mit Tweets gefüllt und Nutzer sollen von Beginn an die Stärken und Vorteile für sich einsetzen können. Und Twitter ist bei der Auswahl der Inhalte anscheinend besser als wir es selber sind. Zumindest hatte Vindu Goel von der New York Times diesen Eindruck. Instant Timelines zeigen, wie viele Inhalte es auf Twitter gibt und das Twitter in der Lage ist, die unterschiedlichsten Menschen und Interessen mit relevanten Inhalten zu versorgen.

Zusätzliche Features wie die Darstellung von verpassten Tweets, sowie die Integration von relevanten Interaktionen von Followern, sollen Nutzer länger in der Timeline halten. Ziel ist es die wichtigsten Tweets in der Timeline zu präsentieren, ohne dabei aber Inhalte aus dem Feed zu entfernen. Die Timeline wird ergänzt und nicht gefiltert.

Der Abstand bei den aktiven Nutzern wird sich zwischen Instagram und Twitter weiter vergrößern. Das heißt aber nicht, dass Instagram Twitter ablöst. Und das Twitter irgendwann in die Dimensionen von Facebook vorstößt, ist schon seit Jahren kein Thema mehr. An der Relevanz von Twitter ändert dies aber nichts. Spannend bleibt auch die Entwicklung zwischen Twitter und Google. Twitter hat seine Sichtbarkeit bei Google in den letzten Monaten deutlich verbessert und eine offizielle Partnerschaft könnte Twitter zusätzliche Reichweite bescheren. Diese Reichweite gilt es in neue Nutzer umzuwandeln.

Bildquelle Flickr: Fotograf – Duncan Hull

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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