Cornelia Holsten (Landesmedienanstalt Bremen): Die Kennzeichnung von „Werbung“ darf durch eine undurchsichtige Kennzeichnungspraxis nicht verwässert werden. - Futurebiz.de

Cornelia Holsten (Landesmedienanstalt Bremen): Die Kennzeichnung von „Werbung“ darf durch eine undurchsichtige Kennzeichnungspraxis nicht verwässert werden.

Influencer Marketing und Kennzeichnungspflichten gehören zusammen wie Facebook und der News Feed. In den letzten Jahren haben wir mehrfach über die Thematik berichtet, ruhiger wird es aber nicht. Im Gegenteil in 2018 hat das Thema nochmals an Fahrt aufgenommen. Es wird ironisch von Dauerwerbesendungen gesprochen und speziell auf Instagram heißt es: wir kennzeichnen alles. Selbst auf LinkedIn werden Schnappschüsse von Konferenzen mit dem Hinweis „Anzeige“ versehen.

Zumindest ist die Frequenz der #Werbung Hashtags gefühlt gesunken und werbliche Inhalte werden jetzt einfach textlich hervorgehoben. Das ändert aber nichts an der Situation, dass die Verwirrung rund um Kennzeichnungspflichten teilweise größer ist, als sie noch vor zwölf Monaten war. Influencer Marketing Recht ist natürlich auch Gesprächsthema auf der INREACH. Cornelia Holsten wird wieder zusammen mit Prof. Dr. Stefan Engels den aktuellen Status Quo aufzeigen, Praxistipps geben und Fragen Rede und Antwort stehen. Dabei werden die beider sicher nicht immer einer Meinung sein, aber genau das ist ein wichtiger Punkt bei den Kennzeichnungspflichten: Austausch!

Futurebiz: Im Jahr 2016 waren Sie schon einmal auf der INREACH Konferenz. Wie hat sich seitdem die Praxis aus Ihrer Sicht entwickelt: Wird mehr gekennzeichnet?

Cornelia Holsten: Im Großen und Ganzen wird besser gekennzeichnet, auch dank unserer FAQs zu Werbefragen in sozialen Medien, den wir als Medienanstalten bereits 2015 veröffentlicht und seitdem zweimal aktualisiert haben.
Nachdem der Verband sozialer Wettbewerb zahlreiche Abmahnungen gegenüber Influencern rausgeschickt hatte, war das Thema Werbekennzeichnung im vergangenen Jahr Gegenstand einiger wettbewerbsrechtlicher Gerichtsprozesse. Daher kennzeichnen nun viele Influencer jeden Post als Werbung oder Anzeige, egal ob Produkte selber gekauft oder bedingungslos zur Verfügung gestellt wurden. Das ist insofern problematisch, als das die Kennzeichnung mit „Werbung“ nicht verwässert werden darf durch eine undurchsichtige Kennzeichnungspraxis.
Transparenz für die Nutzer ist das Wichtigste – damit auf den ersten Blick deutlich wird, ob ein Post werblich ist oder nicht. Viele Influencer kennzeichnen ihre Posts aktuell mit Zusätzen wie „Werbung, weil Markennennung“ oder „Werbung, aber selbst bezahlt“, um trotzdem transparent und ehrlich zu kennzeichnen. Aber nach wie vor gilt selbstverständlich: Wo Werbung drin ist, muss auch Werbung draufstehen – ich denke, das hat sich mittlerweile ganz gut in der Szene herumgesprochen.
Futurebiz: Womit wir ja schon beim Thema Abmahnungen wären. Es ist zu beobachten, dass einige Influencer aus Angst vor Abmahnungen nun fast alles kennzeichnen. Sehen Sie denn schon eine Abmahnwelle auf die Influencer zurollen?
Cornelia Holsten: Von einer Welle würde ich nicht sprechen. Es laufen noch Verfahren, wir warten mal die ausstehenden Entscheidungen ab. Dann schauen wir weiter.
Futurebiz: Zu guter letzt: Was sind Ihre wichtigsten Tipps an Influencer, um sich keinen juristischen Schwierigkeiten auszusetzen?
Cornelia Holsten: Ruhe bewahren! Ich würde Influencern raten bei einer Abmahnung nicht voreilig zu handeln, sondern sich juristisch beraten zu lassen. Vernetzen Sie sich und informieren Sie sich laufend über den neusten Stand der Rechtsprechung und der laufenden Verfahren. Und grundsätzlich der Tipp: Kennzeichnen sie lieber einmal zu viel, als zu wenig.

Alles weitere zum Thema Influencer Marketing Recht und Kennzeichnungspflichten gibt es dann am 19. Oktober auf der INREACH Konferenz in Berlin. Natürlich geht es auch noch um viele andere Aspekte des Influencer Marketings. Alle SpeakerInnen und das Programm findet ihr auf INREACH.de.

Jan_Firsching_blogger_Social-MediaBerater_Futurebiz

Blogger in Charge bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. Jan Firsching berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.