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Wie Influencer mit ihrem Wissen Millionen verdienen

Kohortenbasiertes Lernen auf dem Vormarsch

Kohortenbasiertes Lernen (CBC – Cohort-Based Courses) ist das neue Geschäftsmodell mit Online Kursen in den USA. Statt Online-Kurse auf Drittplattformen wie Udemy zu verkaufen, setzen sich nun Online Live-Kurse durch. Ganz vorne dabei ist ein neuer Typus von Influencern, die Wissens-Influencer. Das kohortenbasierte Lernen macht die erfolgreichsten zu Stars und Millionären.

David Parell gehört mit seinem Kurs „Write of Passage“ zu den Pionieren. Twitter ist seine Marketing Maschine. Fast 200.000 Follower sind die Basis über die er dann Leads für seinen Newsletter aufbaut und seine Kurse hochpreisig verkauft. Das Live Element sorgt für die künstliche Verknappung und vermeidet so den Ramsch Effekt von Plattformen wie Udemy.

Das Geschäftsmodell von kohortenbasierten Lernen

Vor allem das Geschäftsmodell im kohortenbasierten Lernen ist neu. Tiago Forte spricht von der vierten Welle im Online Lernen. Nach den sog. MOOC (Udacity), den Marktplätzen wie Skillshare und den Software Tools für Online Kursersteller kommt nun mit dem kohortenbasierten Lernen die vierte Welle. Tiago Fort weiß wovon er spricht. Er gehört selbst zu den Anbietern von kohortenbasierten Lernen. Aus seinem Blog über persönliches Wissensmanagement entstand der Online Kohortenkurs „Building a Second Brain“.

Intensiv und von Influencern geleitet, dauern die Kohorten in der Regel vier bis sechs Wochen. Ein Platz kostet zwischen $200 und $6.000 pro Person, und jede neue Ausgabe zieht mehr als 200 Teilnehmer aus der ganzen Welt an. Sie behandeln Themen wie Online-Schreiben, Recherche und Wissensmanagement und den Einstieg in YouTube. Die erfolgreichsten Jahrgänge sind in weniger als 24 Stunden ausverkauft. Durch Wartelisten wird stets eine künstliche Verknappung erzeugt und die Lead Pipeline gefüllt.

Erfolgreich ist auch der Youtuber Ali Abdaal. In seinem Kohortenkurs The Part-Time YouTuber Academy lernen seine Anhänger, wie man einen YouTube-Kanal als Nebenprojekt starten kann. Auch sein Kurs ist eine Mischung aus Live-Vorträgen, Fragen und Antworten, Online-Communities und Videoinhalten zum Selbststudium. Offenbar ist Ali Abdaal mit seinem Kurs so erfolgreich, dass er im letzten Jahr über 1,3 Millionen Dollar an Umsatz erwirtschaften konnte.

Erfolgreiche Wissens-Influencer behalten mit ihren Kohortenkursen den direkten Kontakt zum Kunden. Und genau hierin liegt für viele der Nachteil der Plattformen. Bei Udemy & Co. verlieren die Anbieter die Hoheit über die Preisgestaltung und haben keine eigene Kundendatenbank. Und das ist langfristig ein großer Nachteil.

Die Zukunft des Lernens liegt im gemeinsamen Lernen

Vor allem die Abschlußraten sind wichtig, wenn es um die Bewertung von Lernerfolgen geht. So stellen die meisten Landingpages von Kohortenkursen den Erfolg früherer Studenten mit Zeugnissen und Testimonials heraus. Warum aber sind Kohortenkurse offenbar erfolgreicher als reine asynchrone Online-Kurse?

Nach Einschätzung von Tiago Forte sind es vor allem vier Faktoren, die das kohortenbasierte Lernen so erfolgreich machen: Die Lerngemeinschaft (Community), die Rechenschaftspflicht (Accountability), die Interaktion und das Wirkungsergebnis (Impact).

In diesen Faktoren unterscheidet sich das kohortenbasierte Lernen im Kern von (asynchronen) Online Kursen, bei denen die Lernenden vor allem auf sich selbst gestellt sind. Dabei wissen wir schon aus der Schule, dass Lernen vor allem in der Gruppe gelingt. Und Pioniere des digitalen Lernens wie Daniel Jung predigen schon seit Jahren mit der Lernpyramide, dass wir vor allem dann lernen, wenn wir den Stoff anderen erklären.

Diese Erkenntnis setzt sich zunehmend auch in den Unternehmen durch, wo das informelle Lernen, also der Austausch zwischen Mitarbeitern, schon immer einen sehr hohen Stellenwert hatte. Nur ist es eben für Unternehmen nicht einfach, dies in digitalen Formaten zu ermöglichen.

Auch in Deutschland gibt es Beispiele

Auch in Deutschland haben sich bereits erste Modelle des kohortenbasierten Lernens etabliert. Im Bereich Online Marketing arbeitet vor allem Theo Phem in seiner Delta School mit dem Konzept des kohortenbasierten Lernen. Auch die OMR Academy setzt auf digitale Live Trainings, allerdings (noch) in Übersetzung von ehemaligen Präsenzschulungen in ein Online-Live Training. Vorreiter sind in Deutschland im übrigen vor allem die Anbieter von Train-the-Trainer Kursen. Hier gibt es kohortenbasierte Kurse z.B. von Katharina Lewald, Caroline Preuss oder Sandra Holze für den Aufbau von eigenen Online Kursen.

Von der Software setzen die meisten Anbieter von kohortenbasierten Lernen auf eine Mischung von Cloud-Tools rund um Zoom. Die Arbeit in Gruppen erfolgt dann z.B. durch den parallelen Einsatz von Slack, Miro oder Breakout-Rooms. Weitere Erweiterungen durch Drittanbieter (Zoom Apps) sind bereits angekündigt, aber noch nicht verfügbar. Eine sinnvolle Ergänzung bietet die deutsche Software reteach.io, die durch die Integration von Zoom und Microsoft Teams hybride Formate für das kohortenbasierte Lernen unterstützt inkl. Abrechnung und Teilnehmermanagement.

Neben den technischen Herausforderungen müssen sich die Wissens-Influencer auch mit der Moderation beschäftigen. Vor allem bei sehr großen Lerngruppen kommen die Live Tools mit den integrierten Breakout-Rooms schnell an ihre Grenzen. Dies ist dann allerdings keine Software Barriere, sondern eine personelle Herausforderung an die Wissens-Influencer. Entweder müssen sie ein Team von Trainern als Co-Moderatoren aufbauen oder einfach mehr arbeiten. Denn so einfach ist das Modell vom passiven Einkommen doch nicht in der Praxis, wie es von vielen versprochen wird.

Geschäftsführer der Agentur BRANDPUNKT sowie Gründer / Autor von Futurebiz. Brandpunkt ist eine Berliner Agentur für Digitale Markenführung & Social Media.

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