Warum Facebooks Frictionless Sharing besser als sein Ruf ist - Futurebiz.de

Warum Facebooks Frictionless Sharing besser als sein Ruf ist

In den vergangenen Tagen gab es viele Diskussionen um das Thema Frictionless Sharing und dem damit verbundene Informations-Overload auf Facebook. Unter anderem hat TechCrunch zum “Unsharing” aufgerufen, Read Write Web spricht von einem Fehler seitens Facebook und avatter hat das Thema aufgegriffen.

Was genau ist Frictionless Sharing?

Auf der diesjährigen f8 hat Facebook den geöffneten Open Graph vorgestellt und hat Entwicklern die Möglichkeit gegeben, “Frictionless Sharing” in Apps zu integrieren. Stimmt ein Nutzer einer Applikation, wie zum Beispiel The Guardian, zu, gibt er der Anwendung die Berechtigung, Aktionen automatisch in den Ticker und den Feed des Nutzers zu publizieren. Liest man einen Artikel in der App, erscheint hierzu eine Meldung im Ticker und zusätzlich findet man die Aktion auch im Newsfeed wieder.

Viele Blogger findet dieses System unausgereift und unnötig. Hauptargument ist, dass zu viele Meldungen auf Facebook erscheinen und somit ein Qualitätsverlust eintritt. Des Weiteren werden so viele Beiträge automatisch generiert, dass der Newsfeed unübersichtlicher und mit zu vielen Aktionen gefüllt wird. Auf den ersten Blick mögen diese Argumente stimmen, doch der Ticker bzw. Frictionless Sharing bieten nicht nur Entwicklern, sondern auch Nutzern einige Vorteile, die bei der Diskussion nicht beachtet wurden.

Social Apps

Die Intention von Facebook ist, Apps sozialer zu gestalten. Was für Musik hören gerade meine Freunde? Welche Artikel werden von meinen Freunden gelesen? Was kochen meine Freunde? Facebook hat über Jahre beobachtet, wie sich Nutzer verhalten und warum Beiträge geteilt, oder nicht geteilt werden? Hauptgrund für die Nutzer war, dass sie nicht ihre Freunde „zuspammen“ möchten und deswegen einige Inhalte nicht veröffentlichen. Um dieses Problem zu lösen, hat Facebook den Ticker und die Top Stories im Newsfeed eingeführt. „Ich lese Artikel XY“ ist nicht unbedingt eine Meldung, die Nutzer aktiv teilen werden und deswegen greift hier „Frictionless Sharing“.

Zusätzlich sieht man in den Open Graph Apps, welche Artikel, oder Künstler, bei Freunden gerade beliebt sind. Freunde geben also vor, welche Inhalte für Nutzer relevant und gerade angesagt sind.

Zu viele Meldungen im Ticker und Newsfeed?

Der Ticker hat eine Aufgabe: Alle Aktionen von meinen Freunden, Seiten, Gruppen und Abonnenten werden an einer Stelle ausgegeben. Somit auch alle Aktionen die via Frictionless Sharing erfolgen. Zurzeit kann man noch nicht wirklich beurteilen, wie das System funktionieren wird, da es momentan nur wenige Apps dieser Form gibt (mit der Einführung der Timeline wird sich dies aber stark ändern). Man darf den Ticker nicht mit dem Feed vergleichen. Der Aufbau und das Konzept ist ein vollkommen anderes. Im Ticker erscheint jede Aktion und im Newsfeed hingegen gibt es eine Unterteilung.

Zusätzlich werden Meldungen im Newsfeed aggregiert und in einer Meldung ausgegeben. Hier gilt das gleiche Prinzip wie bei Gefällt mir Klicks. Haben mehrere Freunde einen Artikel gelesen, wird nur eine Meldung im Newsfeed erstellt, die anzeigt, welche Freunde den Artikel aufgerufen haben.

Kann ich solche Apps auch ohne Frictionless Sharing benutzen?

Ja! Wie jede Facebook Anwendung, haben auch die Open Graph Apps einen Permission-Dialog und hier kann jeder Nutzer für sich selbst festlegen, ob er Inhalte automatisch veröffentlichen möchte und welche Freunde diese Aktionen angezeigt bekommen sollen. Diese Einstellungen können zu jederzeit in den Anwendungs-Einstellungen geändert werden.

Ein Aufruf zum Boykott von Open Graph Apps ist unnötig. Es sollte viel besser daruaf hingewiesen werden, wie Nutzer die richtigen Einstellungen für diese Apps festlegen können.

Ein Begriff der in der Diskussion häufig fällt, ist „Oversharing“. Damit gemeint ist, dass Nutzer zu viele Inhalte über die Open Graph Apps veröffentlichen und somit große Unruhe in den Ticker einzieht. Grundsätzlich richtig und ein Problem dessen sich Facebook bewusst ist. Für den Ticker werden noch mehrere Optimierungen anstehen und den Nutzern sollen mehr Optionen geboten werden, um die Meldungen im Ticker anzupassen. Hier könnte ähnlich wie im Newsfeed agiert werden. Heißt Nutzer können komplette Applikationen aus dem Ticker entfernen.

GraphRank

Neben individuellen Einstellungen, wird der GraphRank ebenfalls zur „Noise Control“ beitragen. Wenn Nutzer nicht auf Aktivitäten im Ticker reagieren (Kommentieren, Klicken, Gefällt mir), dann werden diese Meldungen automatisch aus dem Ticker verschwinden. Ziel ist es nur relevante Apps im Ticker zu haben, die für Nutzer auch einen Mehrwert haben.

Momentane Schwachstellen

Der Ticker und die Open Graph Apps befinden sich in einer Beta-Phase und einige Probleme müssen von Facebook noch behoben werden. Problematisch ist es zum Beispiel dann, wenn ein Nutzer sich durch mehrere Artikel durchklickt, oder einen Song auf Spotify sucht und in kurzer Zeit 20 Lieder anspielt. Momentan ist es so, dass sobald ein Artikel (oder Song) angeklickt wird, auch eine Meldung im Ticker erscheint. In dieser Situation möchte der Nutzer das aber bestimmt nicht.

Hierfür benötigt Facebook dringend eine Lösung, wie diese aussehen kann, ist noch nicht bekannt. Eventuell kann man über den Zeitfaktor agieren, oder man legt bestimmte Kriterien für Open Graph Apps fest, je nach Aufbau und Funktionsumfang.

Fazit

Das Prinzip des Tickers in Kombination mit Open Graph Apps und Frictionless Sharing ist eine gute Sache. Bieten Apps den Nutzern einen Mehrwert, so wird dieser durch Frictionless Sharing noch weiter verstärkt. Die Einführung der Timeline wird starke Auswirkungen auf die Funktion haben und die Wahrnehmung der Meldungen verbessern. Gibt Facebook den Nutzern weitere Einstellungsmöglichkeiten und achtet auf die Qualität der Apps, wird der Ticker zu einem Kernelement von Facebook werden. Vor allem die Kombination des Tickers und dem Newsfeed, Ansicht Top Stories, wird für ein ganz anderes Erlebnis auf Facebook sorgen. Die Nutzer werden jedoch etwas stärker gefordert werden und auch der Einsatz von Listen, wird für jeden von uns, immer wichtiger werden.

Open Graph Apps jetzt schon abzustrafen ist nicht richtig, dafür gibt es noch viel zu wenige.  Facebook wartet nicht grundlos mit dem Start der Timeline und den Open Graph Apps. Wir werden hier noch einige Verbesserungen sehen, die für einen nutzerfreundlichen Einsatz aber auch von Nöten sind.

 

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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