Privatsphäre spielt für die Generation Z keine Rolle mehr

Hier bin ich! Privatsphäre spielt für die Generation Z keine Rolle mehr

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Sobald es um soziale Netzwerke (besonders Facebook) geht, ist auch immer Datenschutz und Privatsphäre ein Teil der Diskussion. Facebook hat seine Privatsphäreeinstellungen mehrfach angepasst, um Nutzern mehr Kontrolle zu bieten.

Die Einstellung zur eigenen Privatsphäre unterscheidet sich in verschiedenen Altersklassen jedoch deutlich. Die Generation der Baby Boomer (1945 – 1960) achtet stark auf die eigene Sichtbarkeit im Netz und es gilt die Devise, möglichst wenig Informationen freizugeben. Ein öffentliches Auftreten wird kritisch gesehen, oder auch belächelt. An diese Generation richten sich auch die meisten Berichterstattungen in TV Sendungen und den bekannten Nachrichtenportalen. Facebook ist böse. Soziale Netzwerke sind gefährlich. Wir müssen unsere Privatsphäre schützen. Bei der Generation Y (1981 – 1995)  sieht es dann schon etwas anders aus.

Privatsphäre ist ein Thema, aber es werden wesentlich mehr Daten preisgegeben. Entscheidend hierfür ist die Gegenleistung, die für die Daten erfolgt. Wird ein Erlebnis verbessert, dann werden auch persönliche Daten zur Verfügung gestellt. Ein Grund für diese Entwicklung ist der verstärkte Einsatz von Smartphones und die Always On Mentalität. Die Darstellung in sozialen Netzwerken wird wichtiger und der öffentliche Austausch rückt verstärkt in den Vordergrund. Themen wie Big Data und Wearables kommen auf, stecken aber noch in den Kinderschuhen und deuten an, was in der nahen Zukunft in diesem Bereich noch alles passieren wird.

Für uns sind die Themen neu und je nachdem in welcher Generation wir aufgewachsen sind, entwickeln wir hierzu Meinungen und Standpunkte. Für die Generation Z (1995 – ) ist das Alltag und schon heute kann man an erkennen, wie sich die Einstellung zur Privatsphäre entwickeln wird. Es gibt die private Kommunikation über Messenger, aber auch starkes Verlangen nach Aufmerksamkeit. Auf Instagram ist das gut zu beobachten. Es geht um möglichst viele Follower und nicht darum sich einen gezielten Freundeskreis aufzubauen. Hierfür benötigt man Inhalte die auffallen und sich verbreiten.

Barclays hat eine gute Übersicht erstellt, die verschieden Ausprägungen unterschiedlicher Generationen aufzeigt. (via Johannes Lenz)

Generation Z - Überblick über verschieden Generationen

Je selbstverständlicher Technologien sind, umso angstfreier werden sie genutzt. Google Glass war für viele der Anfang vom Ende der Privatsphäre. In der Zukunft werden Wearables wie Google Glass alltäglich sein. Das wird sich auch in der Nutzung widerspiegeln. Was heutzutage die Generation Selfie ist, ist Morgen vielleicht die Generation Glass. Always On ist keine Ausprägung mehr, sondern der Standard. Nachrichten werden durch Video-Chats ersetzt. Es heißt nicht mehr kann ich dieses Foto öffentlich präsentieren, sondern wie kann ich es besonders aufmerksamkeitsstark präsentieren.

Eine veränderte Sichtweise auf die Privatsphäre ist jedoch kein Freifahrtschein für Unternehmen und Datensammler. Im Gegenteil. Der öffentliche Austausch von Konsumenten wird sich weiter intensivieren und wer negativ in Erscheinung tritt und Nutzerdaten missbraucht, der wird sich einer riesigen Maße von kritischen Konsumenten ausgesetzt sehen. Trust Economy, Post Privacy und Generation Z schließen sich nicht gegenseitig aus. Sie sind ein logischer Zusammenhang. Vertrauen in Unternehmen ist eine Grundvoraussetzung und es dürfen keine Bedenken für den Umgang mit den eigenen Daten bestehen.

Aktuell macht ein Video die Runde, in dem Kinder von heute über den Nintendo Gameboy herziehen. Früher ein absolutes Highlight, heute nicht mehr als ein Schmunzeln wert. Auch wenn Smartwatches, Google Glass und andere Wearables aktuell noch viel Kritik einstecken müssen, wird sich die Entwicklung fortsetzen und Produkte die in zehn Jahren auf den Markt kommen, werden mit den heutigen Varianten nicht mehr viel gemeinsam haben. Die Generation Z wird auch über unsere Diskussionen über die Privatsphäre anders denken, oder darüber das wir uns Musikalben für € 9 bei iTunes gekauft haben.

Früher haben Stars noch Autogramme geben müssen, heute sagt Taylor Swift: iPhones haben Autogrammkarten gekillt. Für solche Entwicklungen gibt es unzählige Beispiele und die Privatsphäre wird auch dazu zählen. Aber nur dann, wenn Unternehmen und alle anderen Parteien ihre Hausaufgaben machen und das Vertrauen der Kunden an erster Stelle steht.

Brian Solis hat zur Generation Z ebenfalls einen lesenswerten Beitrag verfasst. Neben dem Thema Privatsphäre befasst er sich mit den Inhalten,die von Teenager in sozialen Netzwerken veröffentlicht werden. Würdet ihr eure Telefonnummer teilen? Ein paar würden dies mit den entsprechenden Einstellungen vielleicht machen. 20 % der Teenager veröffentlichen ihre Telefonnummer. Ein Anstieg von 14 % von 2006 bis 2012. Jetzt haben wir 2014 und man kann erahnen, wie viele es 2020 sein werden.

In unseren Augen mag das sorglos wirken. In den Augen der Teenager ist es Normalität. Ja, es sind nicht alle so und sie können auch einschätzen, welche Inhalte nur für einen bestimmten Freundeskreis bestimmt sind. Probleme und Verwirrungen bei Privatsphäreeinstellungen gibt es nicht mehr. Snapchat ist so erfolgreich, weil Teenager wissen wie es sich mit der Privatsphäre verhält. Gleiches gilt für Instagram, Twitter und Tumblr, die hauptsächlich für das öffentliche Teilen von Fotos verwendet werden.

Wenn heutzutage etwas versehentlich öffentlich geteilt wird, dann ist es bei der Generation Z eine bewusste Aktion.

Bildquelle Flickr: Fotograf –  IntelFreePress

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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