Social Media

Über die Zukunft von (digitalen) Konferenzen

Wie kaum eine Branche ist aktuell auch der Konferenzbereich von den Reisebeschränkungen und dem COVID-19 Lockdown betroffen. Welches Potenzial haben nun digitale Konferenz Formate und wie können digitale Konferenzen konkret aussehen? Diese Lösungen haben aktuell die besten Features zu bieten.

Zukunft von digitalen Konferenzen
Wie können sich Teilnehmer virtuell austauschen?

Während einige Konferenzen aktuell in reduziertem Umfang stattfinden, wie zum Beispiel die allfacebook, haben in den letzten Wochen die meisten Konferenzveranstalter die Veranstaltungen komplett abgesagt. Von vielen Veranstaltungen haben wir gehört, dass sie in einem digitalen Format kein zukunftsfähiges Angebot sehen, da das persönliche Aufeinandertreffen im virtuellen Raum nicht stattfinden kann. Und in der Tat liegt für die meisten Teilnehmer an Konferenzen der größte Mehrwert im persönlichen Austausch mit anderen Teilnehmern oder den Speakern. Wenn dagegen eine digitale Konferenz nur aus Vorträgen in Form von Webinaren mit Live Chat stattfindet, ist die Erfahrung für die meisten Teilnehmer doch recht enttäuschend. Vor allem lässt sich mit solchen digitalen Ersatzlösungen kein Geschäftsmodell erfolgreich umsetzen, denn die wenigsten Teilnehmer sind bereit für ein solches Format auch zu hochpreisig bezahlen.

Mit Spannung schauen wir aktuell auf neue Konferenzformate, die die Möglichkeiten von digitale Technologien auch in Bezug auf virtuelle Treffen ausnutzen. Besonders vielversprechend erscheint hier die Lösung von runtheworld, die aktuell zum Beispiel von der Knowledge Conference von Project A eingesetzt wird. Um das virtuelle 1 : 1 Gespräch zwischen Teilnehmen oder Teilnehmen und Speakern zu ermöglichen, haben die Macher von runtheworld das Cocktailparty-Format eingeführt. Hier findet ein Teilnehmer-Matching zu kurzen Gesprächen statt, so dass die Teilnehmer die Möglichkeit zum Austausch miteinander haben.

Eine weitere spannende Lösung für digitale Konferenzen ist hopin.to mit der Möglichkeit von Break out Sessions und virtuellen 1 : 1 Gesprächen per Live Video.

Virtuelle Konferenz Formate haben gegenüber den klassischen Konferenzen übrigens auch eine Reihe handfester Vorteile. So liegt eine besondere Stärke von virtuellen Konferenzen im Bereich der Daten Analyse. So kann sehr genau getrackt werden, welche Teilnehmer welche Sessions verfolgt haben. Dies eröffnet völlig neue Geschäftsmodelle auch gerade in Hinblick auf Event Sponsoren.

Und schließlich haben online Konferenzen den großen Vorteil, dass die Fixkosten sehr niedrig sind. Während jeder Veranstalter von einer realen Konferenz stets bangen muss, ob er genug Tickets verkaufen kann, um seine Fixkosten zu decken, kann der Anbieter einer virtuellen Konferenz anders kalkulieren. Und da sich ein virtuelles Format auch global verkaufen lässt, sind auch andere Skaleneffekte möglich.

Wenn sich also virtuelle Konferenzen erst einmal durchgesetzt haben, dann werden hier sehr spannende Geschäftsmodelle entstehen. Es bleibt abzuwarten, wie schnell die aktuellen Platzhirsche auf diese Transformation reagieren und ihr Geschäftsmodell neu ausrichten können.

Geschäftsführer der Agentur BRANDPUNKT sowie Gründer / Autor von Futurebiz. Brandpunkt ist eine Berliner Agentur für Digitale Markenführung & Social Media.

1 Kommentar Neues Kommentar hinzufügen

  1. Ich möchte der Liste noch das in der Schweiz entstandene Projekt Veertly hinzufügen: https://www.veertly.com – Die haben sich genau die Networking-Funktionen auf die Fahnen geschrieben, die bisher bei vielen Online-Events fehlen.

    Dass klassische Veranstalter so abwartend bis ablehnend sind gegenüber digitalen Formaten erinnert mich dabei an die Zeitungs- und Zeitschriftenverlage. Ich komme ursprünglich aus der Branche. Die wollten auch nie glauben, dass sich so etwas wie das Internet jemals in der Masse durchsetzen würde. Und, klar: Man kann auch heute noch Zeitungen und Zeitschriften auf Papier kaufen. Aber es gibt eben auch eine enorme Anzahl digitaler Informationsquellen und die klassischen Verlage sind hier oftmals nicht die Ideentreiber und Profiteure gewesen. Ähnlich ist es bei der Musikindustrie gelaufen. Insofern scheinen mir Event-Veranstalter hier fest entschlossen, alle diese Fehler und Fehleinschätzungen zu wiederholen. In zehn oder zwanzig Jahren werden sie dann versuchen, bei den Gewinnern dieses verpassten Trends Geld abzuzapfen …

    Digitale Events haben nebenbei bemerkt noch den großen Vorteil, dass ich sie viel flexibler planen und umsetzen kann als ein physisches Event. Was die neuen Werkzeuge und Plattformen dort ermöglichen werden, ist heute noch gar nicht abzusehen. Viele Online-Events ahmen derzeit noch ihre Vorbilder nach – so wie das E-Paper der Zeitung oder das Album im iTunes Store. Digitale Events werden sich in Zukunft dagegen so sehr von ihren physischen Vorbildern unterscheiden wie Spotify von einem Plattenladen.

    Man bedenke nur, dass ein Event eben nicht mehr an zwei, drei geballten Tagen stattfinden muss. Er kann vielmehr zu einem Angebot innerhalb einer Branchen-Community werden und stattdessen lieber mehrere Male im Jahr in kürzeren „Bursts“ stattfinden. Die Teilnehmer*innen müssen nicht mehr anreisen, ich muss keine Veranstaltungsorte buchen. Überhaupt kann der Veranstaltungsort immer so groß oder klein sein, wie er gerade gebraucht wird.

    Es lassen sich verschiedenste Formate mischen – live und aufgezeichnet, große Gruppe und 1:1-Schulung und vieles mehr. Je nachdem, was gerade am besten funktioniert und nachgefragt wird.

    Die Liste ließe sich fortsetzen.

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