Informationsoverload in Sozialen Netzwerken

Informationsoverload in Sozialen Netzwerken – Filter und Aggregationen heißen die Lösungen

Der Informationsoverload wird schon seit Ewigkeiten diskutiert. Zu viele und zu ähnliche Werbebotschaften heißt das Problem. Was schon seit Jahren bei Plakaten, Zeitungsanzeigen und Werbespots der Fall ist, tritt nun auch verstärkt in sozialen Netzwerken auf.

Da Social Media mittlerweile bei den Unternehmen angekommen ist, steigert sich naturgemäß auch die Anzahl von Beiträgen, Anzeigen, Kampagnen und Markenbotschaften. Es gibt jedoch einen großen Unterschied. Werden Plakate einfach links liegen gelassen und von den Nutzern nicht beachtet, wirken die Beiträge störend. Ergebnis ist, dass die Botschaft (oder der Inhalt in welcher Form auch immer) bei den Nutzern nicht ankommt und zusätzlich ein negatives Gefühl hinterlässt.Mit dem EdgeRank versucht Facebook hier entgegenzuwirken und filtert den Newsfeed automatisch nach relevanten und irrelevanten Beiträgen. Das ist definitiv der richtige Ansatz, mit diversen Anzeigen-Produkten arbeitet Facebook aber gleichzeitig auch in die entgegengesetzte Richtung. Am Ende liegt es wieder an den Nutzern, die mittels Listen ihre eigenen Newsfeeds erstellen können. Problem ist nur, dass Nutzer nach wie vor kaum von Listen Gebrauch machen. Es werden wenig Listen abonniert und noch weniger selber erstellt.

Das heißt die Filter und Aggregation müssen von den sozialen Netzwerken und Diensten selbst definiert werden. So wäre es vorstellbar, dass es auf Facebook zukünftig Themen-Seiten gibt, mit denen sich Nutzer verbinden können. Hier würde ein ähnliches Prinzip wie bei Listen greifen und es werden nur ausgewählte Beiträge im Newsfeed platziert. Ich gehe auch davon aus, dass sich der Newsfeed in naher Zukunft stark verändern wird. Wir werden mehr Zusammenfassungen sehen und mehr Themenblöcke. Diese Mittel werden bereits aktuell eingesetzt, aber hier besteht noch Luft nach oben und mit der Anzahl von Meldungen, wird sich Facebook der Aufgabe früher oder später stellen müssen.

Die Aktionen von Freunden werden noch mehr Gewicht bekommen und der Newsfeed wird wieder persönlicher werden. Von einer Restrukturierung des Newsfeeds werden alle Nutzer profitieren. Marken werden es aber zukünftig noch schwerer haben ihre Beiträge im Newsfeed zu platzieren. Wo wir wieder bei Facebook Anzeigen und Promoted Posts wären. Philipp von All Facebook hat hierzu einen guten Artikel geschrieben, der die Problematik von Promoted Posts auf den Punkt bringt. Wird das Targeting zu Großzügig gesetzt (Fans und Freunde von Fans) sind häufig negative Reaktionen das Ergebnis. Promoted Posts können Beiträgen zusätzlichen Schub verleihen, die Verbreitung im Freundeskreis ist aber Sache der Nutzer. Durch private Kommentare, Likes und Shares werden Freunde auf die Inhalte gelenkt, ohne das dabei ein Unternehmen im Nacken sitzt. Neue Gefällt mir Angaben die über diesen Weg generiert werden, sind für Marken auch wertvoller, als Klicks auf Werbeanzeigen. Hat ein Unternehmen jedoch den richtigen Weg gefunden und kann sich mit seinen Inhalten von Wettbewerbern absetzen, werden Nutzer das auch schätzen und ihren Freunden und Kontakten mitteilen.

Es gibt bereits eine Vielzahl von News-Aggregatoren die diesen Weg gehen. Flipboard, Wavii und Prismatic sind nur ein paar Beispiele. Alle basieren auf einer Themenauswahl und auf Signalen aus sozialen Netzwerken. Welche Neuigkeiten gibt es aus diesem Gebiet? Welche Meldungen werden gerade besonders intensiv diskutiert? TechMeme und Hackernews waren hier Vorreiter, aber mit einer sehr speziellen Ausrichtung. Zukünftig wird es diese Aggregatoren für sämtliche Themen und Branchen geben. Neben eigenen Diensten und mobilen Apps, wird sich auch Facebook dieser Thematik annehmen und beispielsweise spezielle Feeds zum Thema Auto, oder Sport veröffentlichen.

Die Informationsflut ist in sozialen Netzwerken noch größer als bei traditionellen Kommunikationskanälen. Die klassische Kommunikationen, Marke – Kunde (Nutzer), muss sich im Netz noch wesentlich mehr Wettbewerbern stellen. Die technischen Voraussetzungen können so optimal sein wie sie wollen, wenn sich die Inhalte nicht von denen der Wettbewerber unterscheiden, versinkt man im Newsfeed-Nirvana. Das gilt für alle Netzwerke.

Das obige Bild dient als ein gutes Beispiel und man muss einfach eine Zeitschrift durch 1.000 Webseiten und 10 Beiträgen pro Tag ersetzen…für ein Thema!

Neben einem thematischen Filter, wird es auch immer mehr semantische Filter geben (müssen). Wie sind Artikel miteinander verknüpft? Was sind die wichtigsten Quellen? Wo erhalte ich zusätzliche Informationen die ich noch nicht gelesen habe?

Facebook und Co. haben es geschafft eine Fülle an Informationen in soziale Netzwerke zu bringen. Nun gilt es diese Information zu filtern. Thematisch und qualitativ.

Bildquelle Flickr: Fotograf 85mm.ch

Autor bei Futurebiz, Speaker und Senior Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien.

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