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Ach nee! Instagram ist keine reine Foto-Sharing-App mehr.

Nachdem Adam Mosseri in einem Video-Statement gesagt hat, dass Instagram keine Foto-App (oder keine reine Foto-App) mehr sei, gab es viele überraschte Reaktionen. Schaut man sich aber die Entwicklung von Instagram und nahezu allen anderen sozialen Netzwerken an, dann hat Mosseri eigentlich überhaupt nichts Neues erzählt.

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Foto von krakenimages auf Unsplash

Den Pivot to Video gibt es auf Instagram schon seit Jahren

Soziale Netzwerke und Facebook im Speziellen predigen den sogenannten Pivot to Video schon seit Jahren. 2015 und 2016 ging es los und diese Entwicklung hat sich seitdem konsequent fortgesetzt.

YouTube benötigt natürlich keinen Pivot to Video, da es DIE Video-Plattform ist. Blickt man aber auf Facebook, Instagram oder Pinterest, dann ist seit Jahren zu erkennen, wie das Format Video gepusht wird.

So ist die Ankündigung von Mosseri alles andere als eine Überraschung. Instagram hat schon vor langer Zeit kommuniziert, wie wichtig Video ist und das Fotos ein Format, aber nicht mehr das dominante Format sind. In verschiedenen Studien wurde auch ermittelt, dass Videos auf Instagram deutlich mehr Interaktionen generieren.

Mit TikTok hat Instagram einen starken Wettbewerber dazubekommen, aber auch hierzu hat Mosseri nichts Neues gesagt. Spätestens seit der Einführung von Instagram Reels, dem Reels Tab und der Verknüpfung von Reels mit dem Stories-Bereich, dem Instagram Feed und Instagram Explore, sollte allen klar sein, welche Bedeutung Videos und vertikale Videos im Speziellen für Instagram haben.

Stories haben den Pivot to Video auf Instagram beschleunigt und mit Reels wird das Tempo nochmals erhöht

Vom zeitlichen Ablauf kam nach dem Pivot to Video der Pivot to Stories, mit einem klaren Fokus auf vertikale Videos. Das war übrigens 2017.

Wer sich beruflich mit Instagram beschäftigt, den sollten die Aussagen von Mosseri nicht überrascht haben. Erwähnenswert ist jedoch die Deutlichkeit und die Nennung von YouTube und TikTok. So kann man die Punkte von Adam Mosseri viel mehr als einen erneuten Weckruf sehen, aber nicht als eine aktuelle Entscheidung beziehungsweise Entwicklung.

Dass Mosseri mit seinem Video-Statement nicht nur Begeisterungsstürme ausgelöst hat, ist eine andere Sache. Speziell vor dem Hintergrund, dass Fotos besonders auf Instagram lange eine deutlich größere Rolle gespielt haben als beispielsweise auf Facebook und Twitter. So stellt sich viel mehr die Frage, welches soziale Netzwerk nimmt den Platz von Instagram ein. Oder ist es vielleicht doch nicht so extrem? Adam Mosseri hat nämlich auf die Kritik reagiert und seine Aussagen etwas relativiert. So wurde aus „keine Foto-Sharing-App“ schnell „keine reine Foto-Sharing-App“.

Gleiches haben wir damals auch auf Facebook gesehen. Ja, Videos sind in vielen Fällen das effektivste Format, aber auch Jahre nach dem Pivot to Video gibt es noch genügend Seiten, die hauptsächlich auf Foto-Content setzen und damit nicht schlecht fahren.

Natürlich gefällt nicht allen der Pivot to Video auf Instagram

Fakt ist aber auch, wer von den aktuellen Entwicklungen auf Instagram profitieren möchte, kommt am Thema Bewegtbild nicht vorbei. Sei es die größere Sichtbarkeit in Instagram Explore, oder beim Push des Reels-Tabs, in den man natürlich ohne Videos überhaupt nicht stattfindet.

Muss man die Entwicklung mögen? Mit Sicherheit nicht. Muss man sich als Unternehmen den Entwicklungen anpassen? Zu einem gewissen Grad führt hier kein Weg dran vorbei.

Hinzu kommt, dass Instagram immer mehr Inhalte von Accounts ausspielt, denen Nutzer*innen noch nicht folgen. Das ist eine viel größere Änderung, als der doch schon lange erkennbare Fokus auf vertikale Videos.

Instagram hat sehr lange die eigenen Follower in den Vordergrund gestellt. Sei es im Feed oder auch bei Instagram Stories. Durch Reels ändert sich dies nun aber immer stärker und es wird vermehrt darum gehen, Reichweite für Inhalte außerhalb der eigenen Follower zu schaffen.

Ja, auch YouTube und TikTok haben Follower beziehungsweise Subscriber. Es gibt in beiden sozialen Netzwerken aber bessere Optionen, die eigenen Inhalte außerhalb der eigenen Follower zu verbreiten. Auf YouTube ist der große Pluspunkt die Suche und auf TikTok ist es der Für-Dich-Feed.

Mit dem Reels-Tab deckt Instagram nun den Für-Dich-Feed ab. Oder möchte dies zumindest. Beim Thema Suche sehe ich aktuell keine Chance gegen YouTube und daran wird sich auch so schnell nichts ändern.

Video-Formate auf Instagram sind komplexer als auf YouTube und TikTok

Obwohl YouTube und TikTok reine Video-Apps sind, hat Instagram mehr Video-Formate. Das ist eine Schwachstelle und soll aus diesem Grund auch bald auf Instagram vereinfacht werden.

Wir haben auf YouTube normale Videos in unterschiedlichen Längen. Dann haben wir noch YouTube Live, YouTube Stories und seit einiger Zeit YouTube Shorts. Es gibt somit vier Video-Optionen auf YouTube.

Auf TikTok ist es noch reduzierter. Wir haben TikTok Live und TikTok Video für den Feed.

Blickt man jetzt auf Instagram sieht man, wo eines der Probleme liegt. Wir haben Videos im Feed, IGTV Videos, Stories und Reels. Hinzu kommt, dass es eine eigene IGTV App gibt, die wahrscheinlich als erstes das zeitliche Segnen wird.

Instagram plant die Video-Optionen zur vereinfachen und das ist auch notwendig. Fragen wie “ Poste ich mein Video lieber normal im Feed oder als IGTV und teile es dann im Feed?“, gehören dann hoffentlich bald der Vergangenheit an.

Laut Adam Mosseri arbeitet Instagram an solch einer Vereinfachung.

//twitter.com/mosseri/status/1411021998147444737

Adam Mosseri und Instagram brauchen Reels. Sehr viele Reels

Um mit TikTok und in gewisser Form auch mit YouTube langfristig konkurrieren zu können, benötigt Instagram sehr viel Video-Content. Speziell bei Reels und den damit im Zusammenhang erwähnten Creatorn wird das deutlich.

Creator, Unternehmen und private Nutzer*innen sollen langfristig nicht mehr überlegen, wo sie ihre Videos veröffentlichen. Auf Instagram. Damit Reels und der Reels-Tab eine Alternative zu TikTok werden können, braucht es jede Menge Content aus alle Bereichen. Mit Fotos gelingt dies natürlich nicht.

Neben der Umstellung im Feed, auf mehr Content-Empfehlungen, ist dies für mich die Kernaussage. Instagram braucht Videos, um sich gegen TikTok gut aufstellen zu können. Das funktioniert aber nur dann, wenn die Ergebnisse für die Creator und Unternehmen auch stimmen. Deswegen werden Reels gepusht. Ob es dann wirklich für beide Seiten eine Win-win-Situation wird, werden wir in den kommenden Monaten und Jahren sehen. Bei Stories hat es ja schon einmal funktioniert.

Blogger in Charge bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Digital & Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. Jan Firsching berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien. Zu Futurebiz Consulting Blogger in charge at Futurebiz. Speaker, author and senior digital & social media consultant at the BRANDPUNKT agency. Jan Firsching advises brands and companies on the development and implementation of digital and social media strategies.

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