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90 Sekunden Reels und 60 Sekunden Stories: Warum vertikale Videos länger und nicht kürzer werden

Foto von Aron Visuals auf Unsplash

Reels sollen das dominierende Format auf Instagram werden. Oder sind sie es vielleicht schon? Schaut man sich die Entwicklung an, achtet auf die Kommunikation seitens Instagram und den Wettbewerb zu TikTok, dann dreht es sich auf Instagram seit Monaten primär um Reels.

Länge von Reels wird erhöht: 90 Sekunden Instagram Reels

Eine Entwicklung, die wir schon bei TikTok sahen, ist dass vertikale Videos nicht immer auch kurze Videos sein müssen. Ja, sie sollen es auch nicht. Während es auf TikTok erst 60 Sekunden, dann drei Minuten und dann zehn Minuten wurden, legt nun auch Instagram nach und erlaubt die Erstellung von Reels mit einer maximalen Länge von 90 Sekunden.

Aber ist nicht immer die Rede von vertikalen Kurzvideos? Richtig, vertikale Videos sind häufig kurz und nur wenige Sekunden lang. Diese Entwicklung resultiert aber aus der Zeit des Story-Formates. Jedes Format entwickelt sich weiter. Bei Reels und TikToks geht es natürlich um vertikale Videos. Es geht aber nicht mehr ausschließlich um Kurzvideos.

Die Option Reels und TikToks mit einer längeren Dauer zu erstellen kann man somit eher als eine Alternative zu YouTube sehen. Die Wiedergabedauer war auf YouTube schon immer einer der entscheidenden Faktoren für den Algorithmus. Auf Facebook, Instagram und auch TikTok spielt die Wiedergabedauer ebenfalls eine wichtige Rolle.

Hinzu kommt, dass eine Mischung von Inhalten einer Plattform in der Regel immer hilft. Mischen sich in den Feeds kurze vertikale Videos, mit längeren Tutorials, Reviews und Reactions, dann ist der Feed automatisch vielfältiger und den Nutzer*innen wird mehr Abwechslung geboten.

Des Weiteren geht es natürlich auch darum, Menschen länger auf der Plattform zu halten. Neben dem Algorithmus und den damit verknüpften Content-Vorschlägen, hat auch die Dauer von Inhalten einen Einfluss auf die Verweildauer.

Auch Stories werden länger: 60 Sekunden Instagram Stories

Vertikale Videos sind nicht mehr zwingend Kurzvideos. Neben Reels seht ihr diese Entwicklung auch bei Instagram Stories. So sind Stories mit einer Dauer von 60 Sekunden schon bei einigen Accounts verfügbar. Es ist die gleiche Entwicklung wie bei Reels. Vertikale Videos werden länger, da vertikale Videos mittlerweile das beliebteste Videoformat sind. Unabhängig davon, ob sie kurz oder lang sind.

Das dies überhaupt kein Problem ist, sehen wir schon seit Jahren auf YouTube. Die mobile Nutzung von YouTube ist immer weiter angestiegen und dies hatte keinen negativen Einfluss auf die Wiedergabedauer.

Wann kommen YouTube Mids & Longs?

Die Entwicklungen auf TikTok und Instagram sprechen eine klare Sprache. So wäre es auch nicht verwunderlich, wenn YouTube ebenfalls nachziehen würde. Allerdings müsste YouTube sich dann einen anderen Namen für Shorts überlegen, denn ein Video mit einer Dauer von 90 Sekunden ist dann nun wirklich nicht mehr „short“.

Hier zeigt sich auch wieder, dass TikTok die beste Ausgangsposition hat. Während Instagram und YouTube vertikale Video Feeds in die bestehenden Plattformen integriert haben, kann TikTok längere Videos einfacher und reibungsloser integrieren. Sollte irgendwann die Option bestehen, YouTube Shorts mit einer Länge von drei Minuten zu veröffentlichen, wird die Trennung zu anderen Videos auf YouTube immer weiter verwässert und der Shorts-Feed könnte überflüssig werden. Gleiches gilt für Reels und native Instagram Videos. Auch hier wird eine Trennung immer unklarer und unnötiger.

Reels werden vielfältiger und das ist für das Format gut

Natürlich können Creator*innen und Unternehmen viele kreative, informative und unterhaltsame Inhalte in Form von Kurzvideos veröffentlichen. Für bestimmte Formate reichen aber 60 Sekunden einfach nicht aus. Hinzu kommt, dass die Möglichkeit für längere Reels (oder TikToks) einfach mehr Optionen bietet. So können verschiedene Serien etabliert werden, die zwar den identischen thematischen Anker haben, aber sich in der Aufbereitung unterscheiden. Ein Dauerbrenner sind Rezeptvideos. Hier gibt es schon viele Beispiele auf TikTok, wie Creator*innen einmal eine Serie für kurze und kompakte Rezepte haben und eine weitere für ausführlichere und komplexere Rezepte. Dieser Ansatz ist auf viele andere Bereiche übertragbar.

Was Instagram mit IGTV nie gelungen ist, könnte nun bei Reels funktionieren. IGTV wurde niemals in der Form wie Reels von Instagram gepusht. Es gab zwar eine IGTV App, aber so eine Sichtbarkeit wie Reels hat IGTV nie erlangt. Wer weiß, vielleicht sind längere Reels das bessere IGTV. Momentan sieht viel danach aus.

Je länger ein Video ist, umso wichtiger wird der Player und hier hat YouTube die besten Vorraussetzungen. Nicht bei Shorts, aber auf der Plattform an sich. Persönlich bin ich ein großer Fan der Kapitel-Option, da sie aus Sicht der Nutzer*innen den Konsum der Inhalte deutlich komfortabler macht. Das wird denke ich auch ein Bereich sein, in dem sowohl TikTok als auch Instagram nachlegen werden und müssen.

Fakt ist, wenn wir 2022 von vertikalen Videos sprechen, dann geht es dabei nicht mehr rein um Kurzvideos, sondern um all die Facetten und Optionen, die Bewegtbild bietet. Nur mit dem Fokus auf vertikal.

Blogger in Charge bei Futurebiz, Speaker, Autor und Senior Digital & Social Media Berater bei der Agentur BRANDPUNKT. Jan Firsching berät Marken und Unternehmen bei der Entwicklung von digitalen und Social Media Strategien. Zu Futurebiz Consulting Blogger in charge at Futurebiz. Speaker, author and senior digital & social media consultant at the BRANDPUNKT agency. Jan Firsching advises brands and companies on the development and implementation of digital and social media strategies.

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